SportFussballWarum Nati-Spiele derzeit langweilig sind

Warum Nati-Spiele derzeit langweilig sind

Spitzguuge
Zweimal Blitzstart und dann gähnende Langeweile zum Auftakt in die WM-Quali. Sportjournalist Dominic Ledergerber hat es kommen sehen und bezeichnet das Schweizer Testspiel gegen Finnland als «überflüssigsten Termin des Jahres».
Publiziert am Di 30. Mär 2021 10:45 Uhr
© Keystone
- Die Nati jubelt nach dem ersten und einzigen Tor gegen Litauen am Sonntagabend.

SRF-Fussballkommentator Sascha Ruefer konnte einem leidtun: Erst verlängerte sich sein Arbeitstag aufgrund des «Tor-Gates» im Kybunpark, dann folgte ein weiterer Auftritt des Schweizer Nationalteams mit Einschlaffaktor zehn. «Ein Spiel, das sich anfühlte, als hätte es länger gedauert als 90 Minuten», bilanzierte der TV-Mann, nachdem er sich davor wie in einer Endlosschlaufe über die Chancenverwertung der Schweizer aufgeregt hatte.

Der 1:0-Sieg gegen Fussballzwerg Litauen stand in der Tat früh fest: Nach nur 86 Sekunden erzielte Xherdan Shaqiri (29) den einzigen Treffer der Partie und schon da war klar, dass die Mannschaft von Vladimir Petkovic das Punktemaximum aus den ersten zwei WM-Qualifikationsrunden mitnehmen würde.

Schon am vergangenen Donnerstag in Bulgarien (3:1) war die Schweiz fulminant gestartet, das 3:0 nach knapp 13 Minuten war gar der beste Start einer Nati seit ihrem Bestehen. Doch auch in Sofia war das Spiel der Schweizer abgesehen von der Startviertelstunde vor allem eines: langweilig.

Eine «reingequetschte» Saison

Ein Zufall? Mitnichten! Seit dem Saisonauftakt im September haben die Profis ein Mammut-Programm abgespult. Dass sie dann mit ihren Kräften automatisch haushälterisch umgehen müssen, versteht sich von selbst. Nati-Captain Granit Xhaka (28) etwa ist Stammspieler in der Premier League, sein Arbeitgeber Arsenal London wird diese Saison 59 Pflichtspiele absolvieren, vorausgesetzt, er erreicht das Endspiel der Europa League.

Die schiere Anzahl dieser Partien ist dabei nicht das einzige Problem. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte der Spielbetrieb für die Saison 2020/21 erst Mitte September aufgenommen werden, und das nicht nur in England. Eine komplett «reingequetschte» Saison also, zumal sie schon im Mai zu Ende sein muss, weil es dann stante pede mit der Fussball-Europameisterschaft weitergeht.

So gesehen ist es mehr als fragwürdig, weshalb die Nati am Mittwoch schon wieder in die Hose steigt. Das Testspiel gegen Finnland ist wohl der überflüssigste Termin des Jahres, da es erstens keine Punkte zu holen gibt und sich zweitens kaum ein Profi über mangelnde Spielpraxis beklagen kann.

Die Euphorie wird zurückkehren

Wie hoch die Einschaltquote des Pflichtspiels am Sonntag gegen Litauen war, steht zwar noch nicht fest. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass bei der Nationalhymne mehr Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Bildschirmen sassen als gegen Ende des Spiels, als Sascha Ruefer frivol schimpfend den Schlusspfiff herbeisehnte.

Trotzdem wird die SRG an der Übertragung von Länderspielen der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft festhalten, mögen sie auch noch so trostlos sein. Denn: Die Euphorie wird zurückkehren. Spätestens am 12. Juni, wenn die Nati gegen Wales ihre erste EM-Partie austrägt, wird die Schweiz wieder im Fussballfieber versinken.

Denn dann werden auch Xhaka, Shaqiri und Co. wieder an ihre Leistungsgrenzen gehen. So gesehen ist es doch positiv, dass die Nati-Stars ihr Kräfte gegen Mannschaften wie Bulgarien oder Litauen schonen.

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