SportFussball40 Millionen und mittendrin der FC St.Gallen

40 Millionen und mittendrin der FC St.Gallen

Spitzguuge
YB und Basel haben kürzlich ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 veröffentlicht. Während die Berner einen Rekordgewinn von über 20 Millionen Franken ausweisen, ist am Rheinknie der Verlust fast gleich hoch. Und St.Gallen? «Von den Spitzenteams haben wir sicherlich den kleinsten Aufwand», sagt Präsident Matthias Hüppi.
Publiziert am Mo 8. Jun 2020 05:29 Uhr
© Keystone (Archiv)
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In der Tabelle liegen vor der Corona-Pause nur fünf Punkte zwischen dem FC St.Gallen, YB und dem FC Basel. Fragt man bei Experten nach, führt der Meistertitel 2019/2020 über einen der drei genannten Clubs. Ungleich grösser sind die Unterschiede allerdings im Budget. Anfang Juni berichtete der FC Basel, er habe für das Geschäftsjahr 2019 einen Verlust 19,6 Millionen Franken erwirtschaftet.

Verantwortlich für die tiefroten Zahlen sind gemäss dem FCB die ausgebliebenen Transfererlöse. Die Basler lehnten lukrative Angebote ab, um die Königsklasse zu erreichen – was misslang. Immerhin steht der FCB als einziger Schweizer Vertreter in den Achtelfinals der Europa League und hat sich vor der Corona-Pause mit einem 3:0-Auswärtssieg über Eintracht Frankfurt eine formidable Ausgangslage erspielt.

St.Gallen rechnet anders

Bereits eine Woche vor den Baslern machte Meister YB für das Geschäftsjahr 2019 einen Rekordgewinn von 21 Millionen Franken publik. Die Mannschaft von Gerardo Seoane hatte die Goldtöpfe der Champions League im Playoff gegen Roter Stern Belgrad zwar höchst unglücklich verpasst.

Dafür haben die Abgänge von Kevin Mbabu (Wolfsburg), Djibril Sow (Frankfurt) im Sommer und Sékou Sanogo (Al-Ittihad) im Januar 2019 ordentlich Geld in die Kassen gespült. Und so kam es, dass die beiden wirtschaftlichen Topklubs der Super League in dieser Periode über 40 Millionen Franken auseinanderliegen.

Beim FC St.Gallen, sportlich gesehen ebenfalls den Spitzenteams zuzurechnen, wird indes anders abgerechnet. Abschluss der Erfolgsrechnung ist im Sommer, also nach Saisonende und nicht wie bei Basel und YB Ende Jahr. Und auch die Zahlen sind mit jenen der Konkurrenz nicht zu vergleichen. Der Verlust von 5,1 Millionen Franken, über den die St.Galler Geschäftsleitung im Oktober 2019 informierte, kam hauptsächlich der Sünden der Vergangenheit wegen zustande, obschon massive Einsparungen vorgenommen wurden.

Hüppis Genugtuung

Für diese Saison verfolgt der FCSG das Ziel, eine ausgeglichene Rechnung zu präsentieren. «Wir waren auf bestem Weg, bis die Coronakrise dazwischenkam. Die Konsequenzen daraus liegen noch nicht auf dem Tisch, aber wir werden konsequent auf diesem Weg bleiben», sagt Präsident Matthias Hüppi und fügt an: «Wirtschaftlich kann man uns nicht mit Basel oder YB vergleichen. Aber von den Spitzenteams haben wir sicherlich den kleinsten Aufwand.»

Es ist ein Satz, den Hüppi wohl mit grosser Genugtuung äussert. Basel mit einem Vorschuss von Gigi Oeri und YB mit vielen Millionen der Gebrüder Rihs haben sich in den vergangenen Jahren an die Spitze der Fussballschweiz gewuchtet. Nun dringt der FC St.Gallen in diese Phalanx ein, obschon dies mit den bescheidenen Mitteln, mit denen die Ostschweizer arbeiten, für schier unmöglich gehalten wurde.

Wie teuer wird Corona?

Noch offen ist indes, wie teuer die Schweizer Clubs die Coronakrise zu stehen kommt. Mit ihrem Rekordgewinn haben die Berner Young Boys vorgesorgt. «Der Gewinn, der vor allem als weitere Stärkung des noch ungenügenden Eigenkapitals vorgesehen war, wird nun zu grossen Teilen für den Corona-Notfall eingesetzt werden müssen, zumal in den letzten Monaten kaum Einnahmen zu verzeichnen waren», hiess es in einer Pressemitteilung der Berner.

Für den FC Basel könnte es knüppeldick kommen: Das Defizit von knapp 20 Millionen Franken hatten sich die Bebbi schon vor Corona eingehandelt, die Krise wird das Budget weiter strapazieren. Und dass es während der Saison bislang fast ständig Nebengeräusche gab –Trainer Marcel Koller steht immer wieder zur Diskussion, Präsident Bernhard Burgener gilt in grossen Teilen der Fanszene als unbeliebt – hilft nicht eben, die wirtschaftliche Baisse solidarisch durchzustehen.

Der FC St.Gallen hat es da besser: Unter der Führung von Matthias Hüppi ist der Rückhalt enorm – und da das Budget ohnehin wesentlich kleiner ist, wird Grün-Weiss auch von der Corona-Krise weniger stark gebeutelt werden als etwa die Konkurrenz vom Rheinknie.

Restart in Sion?

Bleibt nur noch die Frage, ob sich die St.Galler am 20. Juni um 20.30 Uhr im Sittener Tourbillon werden aufmachen können, ihre Tabellenführung zu verteidigen. Dies, zumal Sion-Präsident Christian Constantin die Wiederaufnahme der Meisterschaft juristisch zu verhindern versucht.

Zum rechtlichen Manöver des Sion-Zampanos will sich Hüppi zwar nicht äussern. Er sagt lediglich: «Das Abstimmungsergebnis zur Wiederaufnahme der Meisterschaft war überdeutlich. Ich gehe also davon aus, dass die Partie im Wallis stattfinden wird.»

So oder so wird der FC St.Gallen den Beweis antreten können, dass auch mit kleinem Budget Grosses möglich ist.

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