SportFCSGWarum «Itten-Zwilling» Kamberi scheiterte

Warum «Itten-Zwilling» Kamberi scheiterte

Spitzguuge
Der FC St.Gallen verleiht Stürmer Florian Kamberi nach Schottland, in die Ostschweiz zurückkehren wird der 25-Jährige kaum. «Dieser Transfer ist eine Trennung mit Ansage», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.
Publiziert am Di 2. Feb 2021 15:36 Uhr
© Michel Canonica/St.Galler Tagblatt
- Florian Kamberi stand beim FC St.Gallen auf verlorenem Posten.

Nach exakt 380 Super-League-Minuten ohne Tor ist das Abenteuer St.Gallen für Florian Kamberi (25) bereits wieder vorbei. Die Espen verleihen den Stürmer aus Lachen SZ für ein halbes Jahr an den schottischen Aberdeen FC, zurückkehren wird Kamberi wohl trotz Vertrag bis Sommer 2023 nicht.

Dabei hatte alles so gut, so harmonisch begonnen. Bei seiner Präsentation im Sommer blickte Präsident Matthias Hüppi zurück auf einen warmen Sommertag im August 2015, als ebenjener Kamberi die Grasshoppers nur Sekunden nach seiner Einwechslung zum 3:2-Derbysieg gegen den FC Zürich geköpfelt hatte. Es war Kamberis erstes Super-League-Tor und seine Gefühlslage schilderte er damals Matthias Hüppi, der ihn im Auftrag von SRF interviewte.

Und auch Trainer Peter Zeidler äusserte sich im September kurz vor dem Saisonstart hoffnungsvoll über Kamberi: «Er ist ein erfahrener Spieler, aber wir dürfen nicht zu viel Druck auf ihn aufladen.»

Das Tischtuch war zerschnitten

Jetzt gehen Kamberi und der FC St.Gallen getrennte Wege. Und es gibt Gründe dafür, dass die Liaison zwischen Spieler und Club nicht länger dauerte als eine durchschnittliche «Bachelor»-Beziehung.

Mit seiner kräftigen Statur, der Körpergrösse von 1,89 Meter und seinem dunkelblonden Haar erinnert Florian Kamberi optisch und von der Veranlagung her stark an Cedric Itten (25), den Kamberi vergessen machen sollte.

Doch während Itten in St.Gallen internationales Format erlangte, Nationalspieler wurde und den endgültigen Durchbruch schaffte, landete «Zwilling» Kamberi in der Ostschweiz auf dem Abstellgleis. «Im Moment sind andere Spieler vor ihm. Das ist einfach der momentane Stand und wurde ihm auch so mitgeteilt», sagte Peter Zeidler vor dem Jahresauftakt gegen Vaduz (2:0). Spätestens da war klar, dass das Tischtuch zerschnitten war.

Kein Disput, aber verschiedene Ansichten

Die letzten fünf Spiele stand Florian Kamberi nicht einmal mehr im Aufgebot der Espen. Völlig klar, dass einer wie er damit nicht einverstanden sein kann, zumal er schon vor seiner Zeit in der Ostschweiz über 30 Super-League-Einsätze und Auslanderfahrung vorweisen konnte.

Clubnahen Quellen zufolge soll es zwar nicht zu einem Disput zwischen Kamberi und Zeidler gekommen sein. Wohl aber habe der Spieler kein Geheimnis daraus gemacht, wenn er anderer Ansicht war als sein Trainer.

Und solche Spieler haben es in St.Gallen schwer. Nassim Ben Khalifa etwa verlieh man in der Ostschweiz den inoffiziellen Übernamen «Oui, mais» (Deutsch: «Ja, aber»), weil er jede Anweisung mit seinen eigenen Gedanken zu ergänzen pflegte.

Kommt Cicek aus Vaduz?

Seit Montag ist das internationale Transferfenster geschlossen. Verstärken könnte sich der FCSG hingegen noch mit einem Stürmer aus der Super League oder der Challenge League, weil Inlandtransfers noch bis zum 15. Februar möglich sind.

Eine Option wäre der Arboner Tunahan Cicek (28, drei Saisontore), der für St.Gallen einst in der Super League debütierte und nun mit Vaduz dem Abstieg entgegenschlingert. Bisher haben sich die Espen aber nicht nach dem bulligen Angreifer erkundigt, wie dessen Berater ausrichten lässt.

Klar ist hingegen, dass dem FC St.Gallen ein Stürmer mit Durchschlagskraft gut stehen würde. Mit ihren 16 Saisontoren zählen die Ostschweizer weiterhin zu den schwächsten Offensiven in der Super League.

    #Spitzguuge#FC St.Gallen
© FM1Today