SportFCSGPeter Zeidler – zwischen Wehmut und Zuversicht

Peter Zeidler – zwischen Wehmut und Zuversicht

Spitzguuge
Nach dem grossen Umbruch startet Vizemeister St.Gallen am Sonntag mit einem Heimspiel gegen Sion in die neue Saison. Trainer Peter Zeidler sagt, was man vom neuen Team erwarten darf, weshalb Basil Stillhart sein Königstransfer ist und wieso Jérémy Guillemenot nicht zu YB wechseln sollte.
Publiziert am Fr 18. Sep 2020 05:40 Uhr
© Michel Canonica/St.Galler Tagblatt
- Bei Peter Zeidler ist bereits wieder diese Euphorie zu spüren.

Wenn der Ball am Sonntag wieder im Kybunpark rollt, sind gerade einmal 48 Tage seit dem Abschluss der vergangenen Spielzeit vergangen, die der FC St.Gallen völlig überraschend auf Platz zwei beendet hat. Doch trotz dieser kurzen Zeitspanne hat sich in der Zwischenzeit vieles verändert: Captain Silvan Hefti sowie die beiden Topscorer Cedric Itten und Ermedin Demirović haben sich neuen Clubs angeschlossen, weshalb Trainer Peter Zeidler auch ein bisschen wehmütig zurückblickt: «Natürlich bin ich ein wenig traurig, dass es die Mannschaft der letzten Saison so nicht mehr gibt. Aber diese zurückliegende Woche vor dem Saisonstart hat mich auch zuversichtlich gestimmt, dass wir in der Lage sind, etwas Neues aufzubauen.»

Schon im Sommer 2019 sahen sich die Espen mit gewichtigen Abgängen wie jenen von Barnetta, Sierro oder Ashimeru konfrontiert, vergleichen liessen sich die beiden Saisons jedoch nicht. «Der Umbruch ist jetzt viel grösser», so Zeidler, «die Mannschaft der letzten Saison war schon eine besondere und hat die Messlatte sehr hochgelegt.»

Ein Neuanfang

Der 58-jährige Trainer trauert nicht nur einzelnen Spielern nach, sondern auch der «Dynamik, Überzeugung und Harmonie», die den Vizemeister ausgezeichnet habe. So stellt sich vor diesem Neuanfang – wie jeden Sommer – die Frage, wohin die Reise gehen wird. «An YB ranzukommen, wird jetzt noch schwerer, aber wir freuen uns, dass es wieder los geht, dass bald auch die Fans zurück sind und dass wir uns auf die Suche nach einer neuen Dynamik machen können», so Zeidler.

Die Tatsache, dass der FC St.Gallen in den letzten drei Testspielen gleich zwölf Gegentore kassierte, verunsichere ihn nicht, weil es dafür Gründe gebe. So hätten gegen Heidenheim (2:6) vom Stammpersonal nur Lawrence Ati Zigi und Lukas Görtler auf dem Platz gestanden. Und gegen Türkgücü München (1:3) habe man die Videoanalyse «nach 33 Minuten beendet», erklärt Zeidler. Es war der Moment, als Verteidiger Miro Muheim nach der zweiten Verwarnung des Feldes verwiesen worden war.

Die Hoffnung des St.Galler Trainers beruht nun auch darauf, dass er keine weiteren Abgänge mehr hinnehmen muss. Das Gerücht, dass YB an Jérémy Guillemenot (22) interessiert sein soll, hält sich hartnäckig. Der Genfer gilt als einer der besten «Zehner» im Schweizer Fussball und hat in der letzten Saison nochmals einen grossen Schritt nach vorne gemacht. «Er ist gut beraten, bei uns zu bleiben. Er ist noch nicht so stabil wie Itten oder Demirović und muss noch viel lernen», so Zeidler.

Königstransfer Stillhart

Von den neuen Akteuren hebt der einstige Französischlehrer aus Schwäbisch-Gmünd besonders Basil Stillhart (26) hervor: «Er ist schon jetzt eine feste Grösse, ein Königstransfer, der uns sehr gut tut», sagt Zeidler, der den ehemaligen Wil- und Thun-Akteur etwas defensiver sieht als Görtler, auch wenn er ihn im Mittelfeld und in der Defensive auf verschiedenen Positionen einsetzen kann.

Auch Florian Kamberi (25) habe schon viel Erfahrung gesammelt, man dürfe aber nicht zu viel Druck auf ihn abladen. Und bei Boubacar Traoré (23), Kwadwo Duah (23) oder Thody Elie Youan (21) handle es sich um Talente, die Geschwindigkeit und Kreativität reinbrächten, allerdings nicht mit Axel Bakayoko zu vergleichen seien, der den FCSG am Ende der vergangenen Saison verliess. Für die jungen Neuverpflichtungen fordert Peter Zeidler Geduld: «Das Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht.»

Griechische Journalisten

Gelegenheiten, sich zu zeigen, wird es für St.Gallens Neue zur Genüge geben: Schon am kommenden Donnerstag treffen die Espen in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League auf AEK Athen. Griechische Journalisten hätten Peter Zeidler gefragt, welche AEK-Spieler er kenne. Seine Antwort: «Bis zum Spiel gegen Athen werden wir über unseren Gegner bestens Bescheid wissen. Ich weiss, dass sie den Cupfinal verloren haben, in der Meisterschaft Dritte wurden und dass wir der Aussenseiter sind», so Zeidler.

Trotzdem träume seine Mannschaft von der Teilnahme an der Europa-League-Gruppenhase, bereits heute Freitag wird der Gegner für ein allfälliges Playoff-Spiel vom 1. Oktober ausgelost. «So wie die Dinge stehen, wäre das Playoff-Spiel auf dem Papier wohl einfacher als die Partie gegen AEK Athen», sagt Peter Zeidler und lässt erneut die Euphorie aufblitzen, die St.-Gallen-Fans schon in der letzten Saison nur allzu oft sahen. Ganz alles hat sich eben doch nicht verändert.

    #FC St.Gallen
© FM1Today