SportFCSGNicht jammern, liebe Espen!

Nicht jammern, liebe Espen!

Spitzguuge
Das verrückte 3:3 gegen YB war vielleicht der letzte Beleg dafür, dass der Titel in der Schweizer Fussballmeisterschaft dieses Jahr nur über den FC St.Gallen führen kann. Sportjournalist Dominic Ledergerber fordert deshalb: «Nicht jammern, liebe Espen, es geht um so viel mehr!»
Publiziert am Mo 24. Feb 2020 05:46 Uhr
© Keystone
- FCSG-Goalie Lawrence Ati Zigi zeigt Schiedsrichter Alain Bieri sein Unverständnis.

Das Lächeln des Guillaume Hoarau sprach Bände: Im ausverkauften Kybunpark sicherte sein zweiter Penaltyversuch dem amtierenden Meister YB tief in der Nachspielzeit einen äusserst glücklichen Punktgewinn. Hoarau lächelte, weil er wusste, wie viel Dusel die Berner da in Anspruch nahmen, um nicht mit einer Niederlage und drei Punkten Rückstand im Gepäck die Heimreise antreten zu müssen.

Der St.Galler Volkszorn hingegen richtete sich zunächst gegen Schiedsrichter Alain Bieri, der ebenso wie YB aus der Hauptstadt stammt. Doch er war es nicht! Vielmehr entschied Video Assistant Referee Sandro Schärer, das Schweizer Schiedsrichter-Aushängeschild schlechthin, auf Wiederholung des Penaltys, weil sich FCSG-Goalie Zigi zu früh bewegt hat, was die TV-Bilder belegen.

Die umstrittene Penaltyszene im SRF-Video:

Ein oberlehrerhafter Entscheid

Trotzdem muss man den Penalty nicht zwingend wiederholen lassen. Schärer stammt aus Buttikon SZ, ist neben Fifa-Schiedsrichter auch ausgebildeter Lehrer. Seine Auslegung des Regelwerks war oberlehrerhaft – und oberbitter für den FCSG. Denn wenn dieser Entscheid als Referenz dienen soll, müssen in Zukunft neun von zehn Penaltys wiederholt werden.

Die Tatsache, dass sich Zigi zu früh bewegte, hatte in diesem Fall ohnehin keine Auswirkung auf den Ausgang des Penalty-Duells, zumal der St.Galler Goalie direkt in Corner abgelenkt hatte und somit niemand auf einen allfälligen Abpraller hätte reagieren können.

Dennoch: Wenn jemand jammern darf, dann höchstens Miro Muheim, der in dieser Saison schon drei Penaltys verursacht hat, ohne wirklich viel falsch gemacht zu haben. Der FCSG hingegen darf sich nun nicht mit Lamentieren aufhalten. Denn wenn dieses verrückte 3:3 am Sonntagabend etwas gezeigt hat, dann lediglich, dass der Titel in diesem Jahr nur über die Ostschweizer führen kann.

YB an eine Wand gespielt

Nach der Sperre gegen Victor Ruiz, der schwerwiegenden Verletzung von Babić und der Oberschenkel-Blessur von Görtler war die Frage berechtigt, wie viel Substanz noch in der Mannschaft von Peter Zeidler steckt. Die Antwort war eindrücklich: Genug Substanz, um den Noch-Meister an eine Wand zu spielen (9:3-Schüsse aufs Tor). Selbst den Ausfall von Innenverteidiger Letard während der Partie hatten die Espen locker weggesteckt.

Dieser junge, wilde FCSG ist mittlerweile gefestigt genug, um auch solche Rückschläge wegzustecken. Das Selbstvertrauen in dieser Mannschaft ist dermassen gross, dass auch unerfahrene Akteure wie am Sonntag Tim Staubli (19) sofort den Tritt finden.

Deshalb noch einmal in aller Deutlichkeit: Nicht jammern, liebe Espen, es geht um so viel mehr als um diese umstrittene Elfmeter-Wiederholung. Ihr habt es selber in der Hand, dieser fantastischen Saison die Krone aufzusetzen. Jetzt gilt es, den Fokus nicht zu verlieren, die Tabelle auszublenden und am nächsten Spieltag den nächsten Gegner zu überrollen. Das ist am kommenden Samstag der kriselnde FC Sion. Der Zweikampf mit YB wird bis zum letzten Spieltag ein Fernduell sein. Am Sonntag habt ihr bewiesen, dass ihr zu YB aufgeschlossen habt. Und vielleicht wird euch am 21. Mai ja der Nachweis gelingen, den Meister überholt zu haben. Ob Hoarau auch dann noch lächelt?

Diese Noten erhalten die Espen nach dem 3:3 gegen YB:

    #FCSG#FC St.Gallen
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