SportFCSGMillionenpoker um Stojanović

Millionenpoker um Stojanović

Spitzguuge
Gemäss Insidern könnte St.Gallen bei einem Verkauf von Dejan Stojanović (26) bis zu 1,5 Millionen Franken verdienen, für ihren Stammgoalie haben die Espen aber keinen adäquaten Ersatz. «Ein delikater Millionenpoker für Sportchef Alain Sutter», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.
Publiziert am Mi 15. Jan 2020 12:39 Uhr
© Keystone
- Kehrt Dejan Stojanović dem FC St.Gallen den Rücken?

Die Testspiele in La Manga sind durch, nach den Niederlagen gegen Ingolstadt (3:6) und Leverkusen (2:3) schloss der FC St.Gallen das Trainingslager zumindest resultatmässig versöhnlich ab und besiegte den belgischen Vertreter KV Oostende mit 3:2. Erkenntnisse lassen sich aus den Ergebnissen solcher Testspiele kaum ableiten, dafür aus den Aufstellungen. Seit bekannt ist, dass der englische Zweitligist FC Middlesbrough um Stammgoalie Dejan Stojanović buhlt, stand der 26-jährige Österreicher nicht mehr im Tor der Espen. Die Erkenntnis daraus: Trainer Peter Zeidler plant wohl ohne Stojanović.

Ihn zu verkaufen, scheint auf den ersten Blick wenig sinnvoll. Nach Anfangsschwierigkeiten spielte Stojanović ein starkes Jahr 2019, er verbesserte sich in der Kommunikation genauso wie im Passspiel und der Strafraumbeherrschung. Das Interesse aus Middlesbrough hat er sich verdient – doch es fehlt den Espen ein adäquater Ersatz. Jonathan Klinsmann (22) konnte in seinen bislang wenigen Einsätzen nicht wirklich überzeugen und fehlt zudem mit einer Fussverletzung. Den Nachwuchsgoalies Nico Strübi (19), Armin Abaz (18) und Leutrim Pali (17, reiste ebenfalls mit ins Trainingslager) fehlt die Erfahrung, genauso wie Shamal George (22), eine Empfehlung von Jürgen Klopp, der zuletzt im Liverpool-Nachwuchs nur auf der Bank sass.

Zahlt Middlesbrough 1,5 Millionen?

Dem Umfeld des FC St.Gallen ist zu entnehmen, dass sich die Verhandlungen mit Middlesbrough hinziehen. Das kann zweierlei Gründe haben: Entweder man wird sich über die Wechselmodalitäten nicht handelseinig oder, was wahrscheinlicher ist, der englische Zweitligist fürchtet, dass die Verhandlungen mit West Ham platzen könnten. West Ham buhlt um Middlesbrough-Torhüter Darren Randolph, allerdings erlitt der 32-jährige Ire eine Oberschenkelverletzung. Bis Ende dieser Woche wollen die beiden englischen Klubs zu einem Ergebnis kommen. Dann ist auch klar, ob Middlesbrough auf der Torhüter-Position überhaupt Bedarf hat.

Für den FC St.Gallen gibt es hingegen gute Gründe, Dejan Stojanović zu verkaufen. Branchenkenner schätzen, dass Championship-Klubs wie Middlesbrough für Stojanović rund 1,5 Millionen Franken Ablöse zu zahlen imstande sind. Geld, dass die Espen gut gebrauchen könnten, schliesslich resultierte für das Betriebsjahr 2018/2019 ein Verlust von über 5 Millionen Franken.

Zudem könnte es die letzte Möglichkeit sein, für Stojanović noch eine anständige Ablösesumme zu kassieren, da sein Vertrag im Sommer ausläuft und er mit seinen 26 Jahren auch kein Perspektivspieler mehr ist.

Stojanović schweigt

Das weiss auch Dejan Stojanović. Mit der Referenz von fünf Serie-A-Spielen für den FC Bologna kam der knapp zwei Meter grosse Goalie 2016 zum FC St.Gallen, wo er allmählich Urgestein Daniel Lopar verdrängte und nun vor einem Gehaltssprung steht. Ein Insider vermutet, dass Stojanović bei Middlesbrough bis zu dreimal mehr Lohn verdienen könnte als in der Ostschweiz, ein Monatsgehalt von 40'000 Franken ist in der zweithöchsten englischen Liga keine Seltenheit.

Der St.Galler Goalie will zum Millionenpoker bisher keine Stellung nehmen. Delikat ist dieser aber auch für Sportchef Alain Sutter: Er muss abwägen, ob Stojanovićs Abgang verkraftbar ist. Möglich, dass in Jonathan Klinsmann mehr steckt, als er bislang zeigen konnte. Oder dass Sutter in Shamal George bereits die nächste Perle entdeckt hat. Sicher ist nur: ab dem 26. Januar sind die Resultate wieder alles, was zählt – egal wer dann gegen Lugano im Tor steht.

    #Spitzguuge#FC St.Gallen
© FM1Today