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Mehr Marathon als Meister-Express

Spitzguuge
Dank eines nie gefährdeten 2:1-Sieges beim FC Sion ist dem FC St.Gallen der Re-Start nach der Corona-Pause geglückt. Die jungen Espen grüssen damit weiter vom Leaderthron. «Die Tabelle sollten die Spieler nun aber möglichst ausblenden», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.
Publiziert am Mo 22. Jun 2020 07:16 Uhr
© Keystone
- itten goal

Lange wurde spekuliert: Wie steckt der FC St.Gallen die 118 Tage Corona-Pause weg? Wie wirkt sich die fehlende Unterstützung durch das Publikum auf die junge Zeidler-Elf aus? Wie viel Euphorie konnten die Espen über die fussballlose Zeit konservieren?

Die Antworten darauf waren zumindest am Samstagabend im Sittener Tourbillon eindrücklich. Der FC St.Gallen, der ohne den verletzten Yannis Letard und den grippegeschwächten Miro Muheim auskommen musste, liess zu keiner Zeit Zweifel am 15. Saisonsieg im 24. Spiel aufkommen. Von ganz hinten, wo Lawrence Ati Zigi mit neuer Frisur und altbekannter Sicherheit glänzte, bis ganz vorne, wo Doppeltorschütze Cedric Itten zum Matchwinner avancierte, überzeugten die Espen mit einer geschlossenen Kollektiv-Leistung, die kaum Wünsche offen liess.

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© tvo

Kurzum: Aus der Sicht des FC Sion war am Samstagabend die beste Meldung, dass das Spiel mit nur einem Tor Differenz verloren ging. St.Gallen hingegen grüsst weiterhin vom Platz an der Sonne. Und dennoch wäre es verheerend, würden die Espen der Tabelle zu viel Beachtung schenken.

Sion kein Gradmesser

Schliesslich war der erste Gegner nach Corona kein wirklicher Gradmesser. Der FC Sion hatte nur zweieinhalb Wochen vor dem Re-Start einen Trainerwechsel vorgenommen, war in gewohntem Chaos – Stichwort Spieler-Entlassungen – durch die Krise gewatet und wartet auch nach der Pandemie weiter auf den ersten Sieg in der Rückrunde.

Der letzte Punkt trifft auch auf den FC Zürich zu. Die Mannschaft von Ludovic Magnin hält in der Rückrundentabelle genauso wie Sion bei zwei Unentschieden und vier Niederlagen, hat sogar noch das schlechtere Torverhältnis als die Walliser – und gastiert am Donnerstag um 20.30 Uhr im Kybunpark.

Den FCZ sollten die Espen allerdings nicht unterschätzen. Bei der 2:3-Auswärtsniederlage gegen YB hat dieser seine Haut teuer verkauft und besonders mit Standards immer wieder für Torgefahr gesorgt. Kommt hinzu, dass St.Gallen keines der letzten drei Meisterschaftsduelle gegen die Zürcher gewinnen konnte.

Es geht Schlag auf Schlag

Am Donnerstag der FC Zürich, der den Anschluss an die Spitzengruppe nicht verlieren will, und am Sonntag der FC Thun, der mit dem Messer zwischen den Zähnen gegen den Abstieg kämpfen wird. Es geht Schlag auf Schlag für die Mannschaft von Peter Zeidler. Auch wenn diese seit einer gefühlten Ewigkeit die Tabellenführung innehat, so kann diese schon Ende dieser Woche im schlechtesten Fall um sechs Punkte entrückt sein.

Der Sieg zum Re-Start in Sion war ohne Wenn und Aber wichtig. Aber er wird wertlos sein, wenn sich die Espen zu oft der Tabellensituation vergewissern oder sich sogar auf dieser ausruhen sollten. Die Geschichte des britischen Marathonläufers David Wyeth dient hierfür als mahnendes Beispiel. Am London Marathon 2017 führte er das Läuferfeld bis 300 Meter vor Schluss souverän an, bis er komplett einbrach, die Konkurrenz an sich vorbeiziehen lassen musste und die Ziellinie nur durch die Unterstützung von Landsmann Matthew Rees überschritt.

Auch für den FC St.Gallen sind die letzten zwölf Spiele der Meisterschaft der letzte Abschnitt eines bislang sehr erfolgreichen Marathons. Denn, Gradmesser hin oder her, eines hat der Samstagabend nach Monaten voller Fragen und Spekulationen deutlich gezeigt: Die Espen haben das Rüstzeug für den Meistertitel. Wenn sie nun einfach immer schön weiterlaufen.

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