SportFCSGKeine Geisterspiele und doch viele Sorgen

Keine Geisterspiele und doch viele Sorgen

Spitzguuge
Um Geisterspiele zu umgehen, entschieden die Swiss Football League und die Klubs am Montagnachmittag, den Spielbetrieb bis zum 23. März ruhenzulassen. «Ein Teilerfolg, aber die wirklich schwierigen Hürden kommen erst noch», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.
Publiziert am Di 3. Mär 2020 05:46 Uhr
© Keystone
- Matthias Hüppi will keinen Fussball im leeren Stadion.

Gerade mal zwei Autostunden liegen zwischen dem Kybunpark und der WWK Arena in Augsburg. In der Heimstätte des FC St.Gallen finden bis zum 23. März keine Fussballspiele statt, hingegen sahen am Samstagnachmittag knapp 30'000 Fans die Partie zwischen dem FCA und Borussia Mönchengladbach (2:3). Die Angst vor der Ausbreitung des Coronavirus scheint in den umliegenden Ländern kleiner zu sein als in der Schweiz.

Denn anders als hierzulande wird in den restlichen Ligen Europas munter weitergekickt. Sogar in Italien, wo knapp 2000 Menschen mit dem gefährlichen Virus infiziert und bis gestern Abend über 50 Personen gar schon daran gestorben sind, macht der Calcio keine Pause – wenngleich den Fans in gewissen Stadien der Einlass verwehrt wird.

Es drängt sich die Frage auf, ob der Bundesrat mit seinem Veranstaltungsverbot übervorsichtig gehandelt hat. Die Swiss Football League (SFL) sowie die Klubs aus der Super League und Challenge League wollen diese Frage nicht beantworten. «Wir haben den Entscheid des Bundesrates zur Kenntnis genommen und im Rahmen der Möglichkeiten, die er uns vorgibt, eine zwischenzeitliche Lösung gefunden», sagt SFL-Sprecher Philippe Guggisberg auf Anfrage von FM1Today.

Geisterspiele abgewendet

Diese Lösung sieht folgendermassen aus: Bis zur Länderspielpause, die am 23. März beginnt, werden in den obersten beiden Schweizer Spielklassen keine Partien ausgetragen – in der Hoffnung, diese nachholen zu können. Bezüglich dieses Entscheids zelebrierten die Klub-Delegierten am Montagnachmittag Einigkeit, weshalb auch FCSG-Präsident Matthias Hüppi von einem den Umständen entsprechend «erfolgreichen Montag» spricht. Er sagt: «Unser Ziel war es, Geisterspiele zu verhindern. Wirtschaftlich wäre das für den FC St.Gallen ein herber Schlag. Aber auch emotional, da Fussball in St.Gallen ohne Publikum unvorstellbar ist.»

In der Tat hat die junge Mannschaft von Peter Zeidler die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert, im Spitzenspiel gegen die Young Boys (3:3) war das St.Galler Stadion zuletzt gar ausverkauft. Gingen den Espen Einnahmen aus Ticketing und Catering durch die Lappen, wäre das mehr als eine Lappalie.

Alles in Butter also? Schliesslich könnte der Bundesrat das Veranstaltungsverbot bereits am 15. März wieder aufheben, der FC Basel am 19. März in der Europa League antreten (Achtelfinal-Rückspiel gegen Eintracht Frankfurt) und der nationale Spielbetrieb am Wochenende des 21. und 22. März wieder aufgenommen werden. Dieses Szenario gilt allerdings als weniger wahrscheinlich, als dass die Regierung das Verbot noch ausweitet – und dann geht der Schlamassel erst richtig los.

Basel wird leiden müssen

Liga-CEO Claudius Schäfer betont zwar, dass der Kalender die Kapazität bietet, zusätzliche Spieltage im April zu verschieben. Allerdings wären dann sämtliche Margen aufgebraucht, denn schon jetzt liegen lediglich 22 Tage zwischen dem letzten Super-League-Spieltag am 21. Mai und dem Auftaktspiel der Fussball-EM zwischen Italien und der Türkei am 12. Juni.

Besonders den FC Basel könnte eine Ausdehnung des Veranstaltungsverbots hart treffen: Der FCB ist neben der Meisterschaft auch noch im Schweizer Cup und wie erwähnt in der Europa League engagiert. Nachdem die Stadt am Rheinknie bereits ihrer Fasnacht beraubt wurde, dürfte der FC Basel dann auch unter einem horrend hohen Spielrhythmus leiden müssen.

Ein Ausnahmezustand

Ob's auch so kommen wird, kann nicht vorhergesagt werden. Derzeit ist es ein Ding der Unmöglichkeit, abzuschätzen, wie schnell und ob überhaupt sich das Coronavirus in der Schweiz weiterverbreiten wird – genauso gut könnte man versuchen, alle Viren zu zählen, die zwischen dem Bodensee und Genf ihr Unwesen treiben. SFL und Klubs können deshalb nur hoffen, dass die Massnahmen des Bundesrates schnell Wirkung zeitigen.

Denn niemand will sich vorstellen, was passiert, wenn auch im Mai noch kein Fussball gespielt werden kann. «Dann hätte die Gesellschaft aber wesentlich mehr zu bewältigen, als nur ein Fussball-Problem. Wir tun also gut daran, das zu beeinflussen, was in unserer Macht liegt», sagt Matthias Hüppi, der seinen Pragmatismus selbst in diesem Ausnahmezustand nicht verloren hat.

Das Verhindern von Geisterspielen ist zwar als Teilerfolg zu werten. Doch auch Hüppi ist klar, dass Liga und Klubs vor weiteren grossen Herausforderungen stehen.

    #Spitzguuge#FC St.Gallen#Super League#Coronavirus
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