SportFCSGHinter Cedric Itten war auch die Bundesliga her

Hinter Cedric Itten war auch die Bundesliga her

Spitzguuge
Mit 19 Saisontoren, über 100 Einsätzen in der Super League und der Feuertaufe im Nationalteam hinter sich hätte Cedric Itten (23) auch in die deutsche Bundesliga wechseln können. Stattdessen zieht es ihn vom schweizerischen zum schottischen Vizemeister. «Die Glasgow Rangers waren der Spatz in der Hand und brauchen Itten unbedingt», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.
Publiziert am Fr 7. Aug 2020 12:09 Uhr
© Rangers FC
- Cedric Itten soll die Rangers wieder zu früherem Glanz führen.

Die Leistungen des FC St.Gallen in der eben zu Ende gegangenen Saison stiessen auch ausserhalb der Landesgrenzen auf viel Beachtung. So schrieb etwa das deutsche Fachmagazin «Kicker» bereits im Februar: «Spitzenspiel in der Schweiz, und zwar nicht Basel gegen Bern, sondern: St.Gallen gegen Bern.»

Dass die Spieler von Peter Zeidler mit dem Gewinn der Vizemeisterschaft Begehrlichkeiten von unzähligen Scouts aus ganz Europa weckten, versteht sich von selbst. So zog es etwa Ermedin Demirović (22) zum SC Freiburg. Und auch für Cedric Itten (23) lagen lose Anfragen aus der deutschen Bundesliga vor, wie seine Berater-Agentur, die International Football Management GmbH (IFM) mit Sitz in Winterthur, auf Anfrage von FM1Today bestätigt.

Die IFM um Star-Berater Wolfgang Vöge berät derzeit etliche Schweizer Bundesliga-Legionäre wie zum Beispiel Yann Sommer, Nico Elvedi (Gladbach), Roman Bürki, Manuel Akanji (Dortmund) oder Michael Lang (Werder Bremen) und hatte bereits 2012 den Wechsel des damals 20-jährigen Xherdan Shaqiri zu Bayern München eingefädelt.

«Das Interesse der Glasgow Rangers war aber extrem gross und der Fussball auf der Insel passt zu Cedrics physischer Spielweise. Deshalb beschlossen wir uns, nicht auf die Taube auf dem Dach zu warten», lässt die IFM ausrichten. Der schottische Vizemeister war also der Spatz in der Hand – und hat einen Spieler wie Cedric Itten bitter nötig.

Sogar Celtic-Fan unterstützt die Rangers

Denn die Rangers mögen mit 54 Titeln zwar schottischer Rekordmeister sein, die glanzvollen Jahre liegen aber schon ein Weilchen zurück: 2011 feierten die Light Blues ihre letzte Meisterschaft, ein Jahr später folgte aber die Insolvenz und damit verbunden die Zwangsrelegation in die vierthöchste Liga. Zuletzt wurden die Rangers zwar dreimal in Folge Vizemeister, jedoch hatten sie dabei jeweils mindestens elf Zähler Rückstand auf den erbitterten Rivalen Celtic.

In Grossbritannien gab es zuletzt einige Experten, die Rangers-Trainer Steven Gerrard (40) rieten, lieber beim Premier-League-Absteiger AFC Bournemouth anzuheuern als sich beim Zweiten der Scottish Premiership abzumühen. Diese Aussagen riefen mit Rockstar Rod Stewart sogar einen glühenden Celtic-Fan auf den Plan, welcher der einstigen Liverpool-Legende öffentlich den Rücken stärkte: «Anders als Bournemouth kennt man die Rangers auf der ganzen Welt.» Nichts verdeutlicht mehr, wie gross der Abstand zwischen Celtic und den Rangers derzeit ist, als Unterstützung aus dem Lager des Erzfeinds.

Was kann Kamberi?

Trotz dieser Unterstützung schied Ittens neuer Arbeitgeber gestern Abend in Leverkusen sang- und klanglos aus der Europa League aus. Das Hinspiel im Ibrox Stadium hatten die Rangers bereits im März mit 1:3 verloren, gestern in der BayArena blieben die Schotten dennoch gänzlich ohne Torgefahr. Gar an Arbeitsverweigerung grenzte dabei der Auftritt des kolumbianischen Stürmers Alfredo Morelos, der kurz vor einem Wechsel zum OSC Lille stehen soll. Dies verdeutlicht, dass Cedric Itten in der schottischen Arbeiterstadt mehr Heilsbringer als Ergänzung ist. Oder anders ausgedrückt: Lieber Stammspieler beim schottischen Rekordmeister als Bankdrücker in der Bundesliga.

Beim FC St.Gallen fragt man sich derweil, wie gross die Lücke ist, die Itten hinterlässt und ob sie Florian Kamberi zu füllen imstande ist. Der 25-jährige Stürmer aus Lachen (Schwyz) geht den umgekehrten Weg: Er stösst vom Hibernian FC aus Edinburgh und mit der Empfehlung von 18 Toren in 64 Ligaspielen zu den Espen.

Für Itten wie auch für Kamberi bedeutet der jeweilige Wechsel der nächste Schritt in einer Karriere, die ihren Peak noch nicht erreicht hat.

    #Cedric Itten#FC St.Gallen#Spitzguuge
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