SportFCSG«Hassgipfel» zwischen FCSG und Luzern: Kein Verfahren nach Görtlers Spuckszene

«Hassgipfel» zwischen FCSG und Luzern: Kein Verfahren nach Görtlers Spuckszene

Spitzguuge
Der FC St.Gallen gibt in Luzern erstmals Punkte ab, zu reden gibt aber auch Lukas Görtlers Unsportlichkeit. Die Liga-Verantwortlichen leiten gegen den FCSG-Star kein Verfahren ein, weil der Schiedsrichter einen Tatsachenentscheid getroffen habe. «Trotzdem entwickeln sich Spiele gegen Luzern immer mehr zu Hassgipfeln», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.
Publiziert am Mo 19. Okt 2020 16:32 Uhr
© Keystone
- gerry

Leader St.Gallen kam gestern in der Swissporarena mit einem blauen Auge davon. Zweimal konnte Gastgeber Luzern einen Rückstand wettmachen und am Ende hätten die Innerschweizer beinahe noch ihren ersten Saisonsieg realisiert, wären sie nicht abermals am überragenden FCSG-Keeper Lawrence Ati Zigi (23) gescheitert. 11:4-Schüsse aufs Tor hatten die Statistiker zugunsten der Luzerner gezählt, was verdeutlicht, dass es für die Mannschaft von Peter Zeidler eher ein gewonnener, als zwei verlorene Punkte waren.

Die Spielernoten

Mit einem blauen Auge kam indes auch Mittelfeldmotor Lukas Görtler (26) davon. Sein Spucken in Richtung von Tsiy William Ndenge in der 19. Minute hätte eigentlich mit einer roten Karte geahndet werden müssen, da bei einer Tätlichkeit nicht der Vollzug alleine, sondern nur schon die Absicht zählt. Auf Nachfrage bei der Swiss Football League teilt Mediensprecher Philippe Guggisberg mit: «Gegen Görtler wird kein nachträgliches Verfahren eingeleitet, weil es sich um einen Tatsachenentscheid des Schiedsrichters handelt. Er konnte sich die Bilder anschauen und hat die Szene abschliessend beurteilt.»

In der Tat wurde der Fall Görtler bei den Liga-Verantwortlichen heute Montag noch einmal diskutiert. Dem Spieler dürfte wohl zugutegekommen sein, dass er sich bisher nichts in diese Richtung hatte zuschulden kommen lassen, seinen Fehler sofort einsah und sich demütig aufmachte, sich bei allen Beteiligten (Gegenspieler, Schiedsrichter, Fans) zu entschuldigen. «Spucken ist in der momentanen Situation nicht angebracht. Eine Sanktion ist aber im Reglement nur vorgesehen, wenn ein Spieler absichtlich einen Gegenspieler anspuckt. Hätte der Schiedsrichter eine Absicht erkannt, gäbe es gemäss Regelwerk nur eine Option: die Rote Karte», so Guggisberg weiter.

Schlechte Vorbilder

Lukas Görtler ist am Samstag in Lugano also mit von der Partie, wenn es für den FC St.Gallen darum geht, Platz eins zu verteidigen. Für die Espen, die in der Vergangenheit bereits mehrfach mit Entscheidungen des Video Assistant Referees haderten, ist dies eine sehr gute Kunde. Dennoch war Görtler seinen vielen jungen Fans gestern ein schlechtes Vorbild.

Und nicht das einzige im grün-weissen Trikot. Auch die Schauspieleinlage von Betim Fazliji (21) hätte eine Verwarnung nach sich ziehen müssen. Als ihn Luzern-Heisssporn Varol Tasar nach einem Zweikampf am Arm packte, griff sich St.Gallens Innenverteidiger ins Gesicht und liess sich daraufhin theatralisch fallen. Auch das ist unnötig, unsportlich und auch unerklärlich, zumal die Profis ja eigentlich wissen sollten, dass all ihre Aktionen von zahlreichen TV-Kameras eingefangen werden.

Dass das Luzerner Publikum schäumte, war deshalb in einem gewissen Masse nachvollziehbar. Die gestrige Affiche war ein weiteres Indiz dafür, dass sich St.Gallens Spiele gegen Luzern immer mehr zu Hassgipfeln entwickeln.

Luzern ist das neue GC

Es ist noch gar nicht lange her, da sprachen die Fans der Innerschweizer vor den Duellen mit dem FCSG von «Testspielen». Schliesslich hatten die Leuchten zwischen April 2017 und Juli 2019 ganze zehn Duelle gegen die Ostschweizer für sich entschieden, was in der Luzerner Kurve zu einer gewissen Überheblichkeit führte.

Für die St.Galler Anhänger wird aus dem Angstgegner Luzern immer mehr der Erzfeind – und somit das, was bis zu ihrem Abstieg 2019 die Grasshoppers waren. In Sachen sportlicher Erfolg, Einzugsgebiet und Budget sind St.Gallen und Luzern durchaus vergleichbar, was die Rivalität noch vergrössert.

Und das ist grundsätzlich auch gut so, schliesslich lebt der Fussball von Emotionen. Für die Spieler beider Teams darf dies jedoch niemals ein Freifahrtschein sein, ihre Vorbildfunktion und gute Kinderstube zu vergessen.

    #FC St.Gallen
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