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FCSG-Angriffsluxus ist kein Problem

Spitzguuge
Vier Angreifer des FC St.Gallen erheben Anspruch auf einen Stammplatz. Das ist einer zu viel für das System von Peter Zeidler – und noch ist Supertalent Lorenzo González gar nicht spielberechtigt. «Der FCSG hat aber kein Luxusproblem, er muss auf intensivere Phasen vorbereitet sein», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.
Publiziert am Mi 29. Jan 2020 05:41 Uhr
© Keystone/Peter Schneider
- Itten, Babić

Am Sonntag traf es Boris Babić. Der 22-jährige Stürmer aus Walenstadt hatte zum Ende der Vorrunde zwölf Spiele in Folge in der Startelf gestanden. Er fabrizierte Tore am Laufmeter und bekannte sich öffentlich zum FC St.Gallen, als er in der Winterpause Champions-League-Teilnehmer Roter Stern Belgrad einen Korb gab.

«Klar war er etwas angefressen», sagte Peter Zeidler (57) vor dem Rückrundenauftakt gegen Lugano (3:1) über die Nichtnomination Babićs, an dessen Stelle Jérémy Guillemenot (22) stürmte. Anders als Babić war der Genfer Ende Jahr meist Joker, er habe sich seinen Startelf-Einsatz aber verdient, meinte Zeidler und fügte an: «Vier sind im Moment eben einer zu viel.»

Nun fehlt Demirović

Neben Babić und Guillemenot erheben auch Ermedin Demirović (21) und natürlich Nationalspieler Cedric Itten (23) Anspruch auf einen Stammplatz im 4-4-2-System von Trainer Zeidler. Gegen Lugano dauerte es jedoch nur bis zur 23. Minute, da waren’s nur noch drei. Nach seiner vierten Verwarnung wird Demirović, später Torschütze zum 1:1, am Sonntag beim Spitzenspiel in Basel zuschauen müssen. Ein Luxus, den sich St.Gallen derzeit leisten kann. Und ein Umstand, an den sich die Angreifer der Espen erst gewöhnen müssen.

Es ist noch nicht lange her, da war die Situation in der Offensive weit weniger feudal. Itten hatte bis zu seiner schweren Knieverletzung im September 2018 bereits elf Pflichtspieltore erzielt, seinen Ausfall konnte der FCSG in der Folge nie wirklich kompensieren: Bis im April 2019 setzte Peter Zeidler elf unterschiedliche Stürmer ein, erst gegen Ende der vergangenen Saison kristallisierte sich mit Barnetta, Kutesa, Guillemenot und Bakayoko so etwas wie Stammpersonal für die Offensive heraus.

González-Transfer als Kompliment

Auch in dieser Saison ist die Hierarchie im Angriff klar: An Demirović und Itten gibt es derzeit kein Vorbeikommen, im Duell mit Guillemenot hat Babić trotz seiner Jokerrolle am Sonntag leichte Vorteile. Und mit Lorenzo González (19) scharrt bereits der nächste Stürmer mit den Hufen. Gegen Lugano war der Genfer mit spanischen Wurzeln leicht angeschlagen und darüber hinaus auch noch nicht spielberechtigt.

Dass er überhaupt den Weg vom spanischen Zweitligisten Málaga in die Ostschweiz gefunden hat, ist für den FC St.Gallen als Kompliment zu werten. Bis vor kurzer Zeit wäre es wohl undenkbar gewesen, dass ein Perspektivspieler wie González in St.Gallen unterschreibt. Sportchef Alain Sutter (52) aber konnte eines der grössten Schweizer Sturmtalente vom Projekt in der Ostschweiz überzeugen. Er stattete González mit einem Vertrag bis im Sommer 2023 aus und hat wohl recht, wenn er sagt: «Wir werden an ihm noch viel Freude haben.»

Neun Stürmer im FCSG-Kader

Vorerst wird sich Lorenzo González aber in Geduld üben müssen. Auch Axel Bakayoko oder André Ribeiro kämpfen in jedem Training um mehr Einsatzzeit, zu den insgesamt neun Stürmern im FCSG-Kader sind auch noch die beiden Jüngsten, Angelo Campos (19) und Fabio Solimando (18), zu zählen.

Dass Peter Zeidler keinen Anlass sieht, im Angriff Wechsel vorzunehmen, ist klar. Alleine in der Vorrunde fabrizierte seine Offensive insgesamt 42 Tore und pulverisierte damit den St.Galler RSL-Klubrekord aus der Saison 2014/15, als die Espen unter Jeff Saibene bis Weihnachten 30 Tore erzielten.

Langer Weg in die Europa League

Der Angriffsluxus ist dennoch kein Problem, im Gegenteil: Der FC St.Gallen muss auf Abgänge reagieren können. Besonders Cedric Itten steht unter der Beobachtung von halb Fussball-Europa, für Babić dürfte sich nicht nur Roter Stern Belgrad interessieren und Demirović ist nur bis Sommer ausgeliehen.

Ebenfalls im Sommer könnte auf die Espen ein ziemlich intensiver Saisonstart zukommen: Sechs Qualifikationsspiele müssten sie als Tabellenzweiter bis zur Gruppenphase der Europa League bestreiten, als Dritter gar acht. Der FC St.Gallen muss auf intensivere Phasen vorbereitet sein. Und dafür müssen sich auch alle Stürmer damit abfinden können, zunächst nur auf der Bank zu sitzen. Letzten Sonntag traf es Babić. Und auch am nächsten wird wieder mindestens einer «angefressen» sein. Wenn es Peter Zeidler gelingt, diesen Konkurrenzkampf gesund zu halten, kann die Breite in der Offensive für die St.Galler eine echte Waffe sein.

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