SportFCSGDie Zwischenbilanz: So steht es um den FC St.Gallen

Die Zwischenbilanz: So steht es um den FC St.Gallen

Spitzguuge
Mit einer vermeidbaren 1:2-Heimniederlage gegen Meister YB beschliesst der FC St.Gallen das Kalenderjahr 2020. «Die Mannschaft von Peter Zeidler spielt weniger spektakulär als letzte Saison und ist doch überraschend konkurrenzfähig», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.
Publiziert am Do 24. Dez 2020 11:43 Uhr
© Keystone
- Miro Muheim, Kwadwo Duah, Betim Fazliji und Basil Stillhart.

Als Schiedsrichter Lionel Tschudi den FC St.Gallen am Dienstagabend um 22.23 Uhr in die Winterpause schickte, machte sich bei den Espen Enttäuschung breit. Einmal mehr waren die Ostschweizer Meister YB gefährlich nahegekommen, einmal mehr reichte es nicht für den Sieg, ja, dieses Mal nicht einmal für ein Unentschieden.

Mit einem Spitzenspiel zum Ende belohnte sich die Mannschaft von Peter Zeidler (58) für ein starkes Kalenderjahr 2020, mit einem Sieg hätte sie im fast leeren Kybunpark bis auf zwei Punkte an den Leader heranrücken können. Stattdessen bestrafte YB die wenigen Fehler der Espen konsequent und zeigte diesen die Grenzen auf.

Das Fazit zum Jahresabschluss ist dennoch ein positives. Dies, weil die neuerlangte Stabilität in der Defensive mehr zu überraschen vermag als die fehlende Durchschlagskraft im Angriff.

Die Abwehr steht

In den bisherigen 13 Meisterschaftsspielen kassierten die Espen nur gerade elf Gegentore, ein Wert, den nur YB und der FC Lugano (je 10) unterbietet – bis zum 0:1-Rückstand am Dienstagabend stellte der FC St.Gallen gar die beste Defensivreihe der Super League und blieb ganze 400 Minuten am Stück unbezwungen.

Und dies überrascht gleich doppelt: Einerseits, weil die Stammverteidiger Leonidas Stergiou (18), Betim Fazliji (21), Miro Muheim und Alessandro Kräuchi (beide 22) allesamt noch im Nachwuchs agieren könnten, andererseits aber vor allem, weil die Espen in der vergangenen Spielzeit ganze 56 Gegentreffer kassierten – nur die Absteiger Xamax und Thun, sowie der FC Zürich mussten den Ball noch häufiger aus dem Netz holen.

St.Gallens Abwehr steht in dieser Saison überraschend gut, das Zentrum mit Leonidas Stergiou und Betim Fazliji gehört zum Besten, was die Liga zu bieten hat, auf der linken Seite ist Miro Muheim im Normalfall eine Bank (ihm werden die Weihnachtsferien gut tun) und rechts hat Alessandro Kräuchi Ex-Captain Silvan Hefti zumindest defensiv vergessen machen können.

Ist der Angriff gut genug?

Womit wir bei der Offensive angelangt wären – und in dieser fehlen derzeit nicht nur die Rushes von Silvan Hefti. Ganze zwölf Tore haben die Espen bisher fabriziert, nur der Tabellenletzte aus Vaduz trifft noch seltener. Am Aufwand, das zeigte auch der Auftritt gegen YB eindrücklich, mangelt es dabei nicht, was natürlich unmittelbar die Frage nach der Qualität aufwirft.

Klar ist: Nach den Abgängen von Cedric Itten und Ermedin Demirović hat sich noch kein neuer Goalgetter herauskristallisiert, mit seinen drei Toren ist Kwadwo Duah (23) bereits der treffsicherste St.Galler. Am vielversprechendsten sind die Auftritte von Thody Élie Youan (21), der immer mehr Selbstvertrauen tankte, je näher die Winterpause rückte.

Boris Babić (23) ist nach seinem Kreuzbandriss auf dem besten Weg, wieder ganz der Alte zu werden, braucht aber noch etwas Zeit, derweil Florian Kamberi (25) noch nicht in der Ostschweiz angekommen zu sein scheint.

Eine Alternative für den Angriff könnte Boubacar Traoré (23) sein. Dieser zeigt offensiv gute Ansätze und verfügt über unheimliche Schnelligkeit, in der Defensive ist der Senegalese allerdings ein Sicherheitsrisiko. Möglich, dass Sportchef Alain Sutter (52) in der Winterpause noch einmal zuschlagen wird – ohnehin ist es das Credo des Berners, sich stets nach Verstärkungen umzusehen.

Die Gewinner und die Verlierer

Enttäuscht haben bisher die beiden Spanier Jordi Quintillà (27) und Victor Ruiz (27) – allerdings gemessen an den Leistungen aus der Vorsaison, als die beiden überragend aufspielten und zusammen auf über 30 Torbeteiligungen kamen. Kommen ihre Standards nicht an, fehlt dem FC St.Gallen eine ganz wichtige Waffe – und dies war leider fast während der gesamten Vorrunde der Fall.

In Sachen Einsatz gibt es jedoch weder Quintillà noch Ruiz etwas vorzuwerfen, genauso wenig wie Jérémy Guillemenot (22) oder Basil Stillhart (26), die aber noch kaltschnäuziger werden müssen. Auf der anderen Seite holten sich vier Akteure konstant gute Noten ab: Goalie Lawrence Ati Zigi (24), Mittelfeldmotor Lukas Görtler (26), sowie das Innenverteidiger-Duo Stergiou/Fazliji.

Kurze Winterpause

Alles in allem kann man sagen: Die Mannschaft von Peter Zeidler spielt zwar weniger spektakulär als letzte Saison, ist aber dennoch überraschend konkurrenzfähig, was nach den schwerwiegenden Abgängen nicht selbstverständlich ist.

Nach einer ultrakurzen Winterpause geht es für die Espen schon am 20. Januar weiter mit dem Nachtragsspiel gegen den FC Vaduz. Die Ausgangslage zum Jahresende ist jedenfalls vielversprechend und interessant: Die Ostschweizer sind zwar auf Tuchfühlung mit den vorderen Tabellenrängen – nach der Niederlage gegen YB aber auch im Schatten des Leaders und damit in der Rolle des Jägers.

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