SportFCSGDie Vorfreude auf den Angstgegner

Die Vorfreude auf den Angstgegner

Spitzguuge
Die St.Galler Pleiteserie gegen Luzern wird am Sonntag ein Ende nehmen. Wieso, erklärt Sportjournalist Dominic Ledergerber in der neuen Kolumne «Spitzguuge». Er schreibt auch, warum sich der Ur-Luzerner Alain Wiss (29) besonders darauf freut.
Publiziert am Mi 27. Nov 2019 07:16 Uhr
© Tagblatt/Ralph Ribi
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Es ist der Tag nach dem fulminanten 4:1-Heimsieg gegen Neuchâtel Xamax, die Stimmung bei den Espen ist nach dem achten Meisterschaftserfolg aus den letzten zehn Spielen natürlich grossartig. Auch bei Alain Wiss. «Ich freue mich sehr auf das Spiel in Luzern», blickt der 29-jährige Defensivspieler auf das Auswärtsspiel vom Sonntag. Bis 2015 stand er bei den Leuchten unter Vertrag, mit 16 Jahren debütierte er dort in der Super League, später gar im Nationalteam.

Wiss ist gerade unterwegs in Richtung Tessin, wo er sich in einem Shopping-Outlet neu einkleiden will. Vielleicht wird er auch beruflich bald ein neues Outfit tragen – schliesslich läuft sein Vertrag beim FC St.Gallen mit dem letzten Vorrundenspiel am 14. Dezember gegen den FC Zürich aus. Gespräche über eine Verlängerung fanden noch nicht statt.

Zu seiner Zukunft kann und will sich Alain Wiss deshalb nicht weiter äussern, da spricht er doch noch lieber über die Pleitenserie gegen seinen Ex-Klub. Zehn Ligaspiele in Folge hat der FC St.Gallen zuletzt gegen die Luzerner verloren, das ist laufender Vereins-Negativrekord. Doch aus Wiss spricht die Zuversicht, wenn er sagt: «Früher war es Vaduz, heute ist es Luzern. Auch diese Serie wird zu Ende gehen.»

Die Neuen sind unvorbelastet

Bevor die Liechtensteiner 2017 aus der Super League abstiegen, hatten sie sich einen Ruf als St.Galler Angstgegner erarbeitet. Elfmal in Folge blieb Vaduz gegen den «grossen Bruder» unbesiegt, siebenmal gewann die Mannschaft aus dem Ländle, doch es kam, wie es kommen musste: An einem Samstagabend im Mai 2017 siegte der FC St.Gallen unter der starken Regie von Tranquillo Barnetta (1 Tor/1 Assist) mit 2:0. Der Fluch war besiegt.

«Für die meisten Spieler war es aber ein Sieg wie jeder andere», sagt Wiss und fügt an: «Viele in unserer Mannschaft haben nur einen Bruchteil der Negativserie gegen Vaduz miterlebt – und so ist es auch heute.» Die jungen Espen gehen am Sonntag in der Swissporarena also (fast) unvorbelastet in das Spiel gegen die zum Angstgegner hochstilisierten Luzerner.

In der Tat sind mit Goalie Dejan Stojanovic, Captain Silvan Hefti und eben Wiss nur noch drei Akteure dabei, die noch den letzten Sieg der Espen gegen Luzern miterlebten. Diesen gab es übrigens vor mehr als drei Jahren unter Joe Zinnbauer.

FCSG «zu stabil» für Luzern

Der Deutsche stand am 28. August 2016 an der Seitenlinie, als der FCSG die Luzerner mit 3:0 besiegte. «An Siege kann ich mich immer gut erinnern», sagt Zinnbauer und lacht. St.Gallens Ex-Trainer wohnt nach wie vor in Rorschach am Bodensee und hat von da aus auch die aktuelle Erfolgsserie der Espen mitverfolgt. Der 49-Jährige ist überzeugt: «Im Moment ist der FCSG so stabil, dass Luzern keine Chance haben wird.»

Nach Joe Zinnbauer schwang zunächst Giorgio Contini das Zepter, nun steht Peter Zeidler in seiner zweiten Saison als St.Galler Trainer an der Seitenlinie. Und er kann sich sicher sein, in Luzern eine topmotivierte Mannschaft vorzufinden, die vor Selbstvertrauen nur so strotzt.

Form wichtiger als Statistik

Das 4:1 gegen Xamax war in dieser Spielzeit bereits der fünfte Sieg mit mehr als einem Tor Differenz – davon gab es in der kompletten letzten Saison nur deren drei (3:1 gegen den FCZ, 3:0 gegen Xamax, 4:1 gegen YB). In der aktuellen Verfassung ist die Mannschaft von Peter Zeidler in der Lage, seine Gegner zu zermalmen oder – wie beim 0:0 gegen Basel und dem 3:4 bei Leader YB – zumindest arg zu fordern.

Und weil die Form immer wichtiger ist als die Statistik, dürfen die Espen zu Recht mit Vorfreude auf das Spiel in Luzern blicken. «Manchmal gibt es eben solche Serien, ohne dass man sie erklären kann», sagt Alain Wiss und macht darauf aufmerksam, dass er als Espe vier der ersten fünf Meisterschafts-Duelle gegen Luzern gewinnen konnte.

Vielleicht kann Wiss seinen Ausbildungsklub am Sonntag noch einmal ärgern, vielleicht zum letzten Mal im Trikot des FC St.Gallen. Klar ist hingegen eines: Nach den starken Leistungen in den letzten Wochen dürfte Luzern wohl mehr Angst vor den Espen haben, als diese vor ihrem Angstgegner.

    #FC St.Gallen#Spitzguuge
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