SportFCSGDer Spitzenfussball probt den Normalfall

Der Spitzenfussball probt den Normalfall

Spitzguuge
Während sich die Schweiz auf den zweiten Lockdown vorbereitet, erhalten die Spitzenclubs des hiesigen Fussballs Klarheit, wann die Spiele der Rückrunde stattfinden sollen. «Von Normalität ist aber auch der Profi-Fussball weit entfernt», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.
Publiziert am Sa 16. Jan 2021 06:22 Uhr
© Keystone
- Der FC St.Gallen wird wohl noch lange ohne Publikum spielen.

Seit Freitag ist klar, dass der FC St.Gallen seine Saison mit einem Auswärtsspiel gegen Servette beenden wird. Dies geht aus dem Spielplan für die zweite Saisonhälfte hervor, den die Swiss Football League (SFL) veröffentlicht hat. In normalen Zeiten ist dies nicht mehr als eine Randnotiz, doch von der Normalität ist auch der Spitzenfussball weit entfernt, wenngleich der Spielbetrieb nicht vom neuerlichen Lockdown betroffen ist.

Während Läden schliessen müssen, Veranstaltungen bis Ende Februar brach liegen und auch private Treffen nur noch stark eingeschränkt möglich sind, finden die Spiele in der Super League und in der Challenge League statt. Unter Berücksichtigung der Schutzkonzepte. Und – natürlich – ohne Zuschauer. «Wir sind momentan nur schon froh, überhaupt spielen zu können», sagt SFL-Mediensprecher Philippe Guggisberg.

«Bauchweh» bereite ihm aber die Tatsache, dass die Situation weiterhin sehr fragil sei. In der Tat wurden diese Woche gleich mehrere Akteure des FC Luzern positiv auf Corona getestet, der FC Wil befindet sich aus dem selben Grund noch bis und mit Montag sogar gänzlich in Quarantäne.

Clubs agieren zurückhaltend

Für die in der Challenge League in Abstiegsnot geratenen Wiler gibt es aber auch Entwicklungen, die Mut machen. Aus Basel wurde auf Leihbasis Sturm-Hoffnung Tician Tushi (19) geholt, aus Bern hingegen naht Linderung finanzieller Natur. In regem Austausch mit den Clubs legte das Bundesamt für Sport die Rahmenbedingungen für die Vergabe von Krediten oder À-fonds-perdu-Beiträgen fest.

In der Äbtestadt ist man sich der staatlichen Unterstützung sicher. «Der FC Wil erfüllt sowohl die Bedingungen für das Stabilisierungspaket von Swiss Olympic als auch für die Entschädigung wegfallender Zuschauereinnahmen», sagt Geschäftsführer Benjamin Fust. Noch offen sei hingegen, für welches Hilfspaket man ein Gesuch stelle. Zeit dafür bleibt bis Ende Monat, dann verstreicht eine weitere Frist.

Grundsätzlich wertet es die Liga als gutes Zeichen, dass den Clubs nun endlich finanzielle Unterstützung zuteil wird, auch wenn diese längst nicht alle Vertreter der Super League und der Challenge League in Anspruch nehmen werden. Zwar stehen für die Proficlubs insgesamt 115 Millionen Franken bereit, die nicht zurückgezahlt werden müssen (À-fonds-perdu). Weil eine solche Finanzspritze jedoch an die Bedingung geknüpft ist, die massiv in die sportliche und unternehmerische Strategie der Clubs eingreifen, agieren viele von ihnen zurückhaltend.

Hüppi: «Wollen uns aus eigener Kraft retten»

Auch ob der Super-League-Dritte St.Gallen Hilfe vom Bund annimmt, ist noch offen. Präsident Matthias Hüppi sagt dazu: «Wir haben alle Instrumente so parat, dass wir sie einsetzen können, wenn wir sie brauchen. Grundsätzlich wollen wir uns aus eigener Kraft durch diese Zeit retten.»

Hüppi sagt dies im Wissen, dass sich die Sachlage extrem schnell ändern kann, dass der laufende Prozess ein hohes Mass an Flexibilität voraussetzt. Und er weiss, dass das Schlimmste für die Clubs noch lange nicht ausgestanden ist, wenn er leicht zynisch resümiert: «Die Perspektiven auf Fussball mit Publikum haben sich nicht wesentlich verbessert.»

Ab Sonntag wird wieder gespielt

Anders als im Frühling ist der Fussball diesmal nicht vom Lockdown betroffen, mit der Nachtragspartie zwischen Sion und Lugano nimmt die Super League den Spielbetrieb schon morgen Sonntag wieder auf. Am Mittwoch treffen im Kybunpark St.Gallen und Schlusslicht Vaduz aufeinander, bevor der Ball ab Freitag auch in der Challenge League wieder rollt.

Der FC Wil trifft am Samstag, nur fünf Tage nach dem frühestmöglichen Ende seiner Quarantäne, auf den FC Aarau. Gemessen an den Spieltagen dauert die Vorrunde noch bis Anfang Februar. Dass der Spielplan in den höchsten beiden Schweizer Ligen nun auch für die Rückrunde fixiert wurde, spendet Hoffnung, dass die Saison tatsächlich zu Ende gespielt werden kann. Keinesfalls sind die Spieldaten aber eine Garantie dafür – bis zur Normalität ist es auch im Profifussball noch ein weiter Weg.

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