SportFCSGDer FC St.Gallen punktet – aber wofür?

Der FC St.Gallen punktet – aber wofür?

Spitzguuge
Nach zwei Siegen in Serie hat der FC St.Gallen die Verfolgung von YB und Basel wieder aufgenommen. Oder sichert er sich doch eher nach hinten ab? «Schwer zu sagen. Die Resultate der Espen passen diese Saison oftmals nicht zu ihren Leistungen», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.
Publiziert am Mi 16. Dez 2020 05:30 Uhr
© Keystone
- Boubacar Traoré (links) hinten? Nicht so gut. Thody Élie Youan (rechts) vorne? Hat sich bewährt.

Sechs Punkte aus den Auftritten in Zürich (2:1) und Lausanne (1:0). Das lässt sich sehen. Auf eindrückliche Art und Weise hat der FC St.Gallen seine Sieglosserie von fünf Spielen in Folge beendet. Das lassen zumindest die Resultate erahnen. Wer die beiden Partien aber gesehen hat, weiss auch, dass die Espen in beiden Partien viel Glück in Anspruch nehmen mussten und ohne ebendieses vielleicht auch nach sieben Partien noch auf das Ende der Negativserie warten müssten.

Und das wiederum führt zur Frage: Wie gut ist er, dieser FC St.Gallen 2020/21? Wird er sich wie in der vergangenen Spielzeit an der Tabellenspitze halten können? Oder droht der Rückfall ins hintere Mittelfeld, was für die Espen – gemessen an ihren finanziellen Möglichkeiten – eher Regel als Ausnahme sein müsste?

Der Blick zurück

Dank der beiden Siege innerhalb von vier Tagen ist der FC St.Gallen nun mit drei Punkten Rückstand auf Leader YB Tabellendritter. Und der Blick zurück überrascht: Die Ostschweizer sind damit dem Leaderthron sogar noch näher als zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr: Anfangs Oktober 2019, nach der zehnten RSL-Runde und einer packenden Nullnummer zu Hause gegen Basel, betrug St.Gallens Rückstand auf YB fünf und auf den FCB gar sechs Punkte.

«Es wächst etwas zusammen», liess sich Präsident Matthias Hüppi damals zitieren. Und vielleicht ist das auch gegenwärtig wieder der Fall. Nach den Abgängen von Cedric Itten, Ermedin Demirović und Silvan Hefti fehlt den Espen besonders in der Offensive noch die Durchschlagskraft, dafür haben sie am Sonntag bei Lausanne-Sport schon zum fünften Mal kein Gegentor kassiert – und damit gleich oft wie in der gesamten letzten Saison!

Spiel für Spiel neue Erkenntnisse

Und mit jedem Spiel wird Trainer Peter Zeidler neue Erkenntnisse dazugewinnen. Nach dem 2:1-Auswärtssieg in Zürich weiss er etwa, dass Thody Élie Youan (21) reif ist für einen Stammplatz im Angriff, derweil das Experiment mit Boubacar Traoré (23) als Linksverteidiger als gescheitert bezeichnet werden muss. Und nach dem Sieg am Sonntag wird ihm klar sein, dass Florian Kamberi (25) noch Zeit braucht und auch Miro Muheim (22) nicht in jedem Spiel glänzen kann.

Die Frage, die den neutralen Beobachter jedoch am brennendsten interessiert, kann auch Zeidler nicht beantworten: Wofür sind die Punkte, die der FCSG derzeit holt? Für das Titelrennen? Oder doch für den Kampf gegen den Abstieg?

Basel und YB bis Weihnachten

Fakt ist, dass die Resultate der Espen in dieser Saison oftmals nicht ihren Leistungen entsprechen. Genauso wie die letzten zwei Spiele nicht unbedingt hätten gewonnen werden müssen, genauso unnötig waren etwa die Niederlagen in Lugano (0:1) oder gegen Basel (1:3). Es mag wohl so sein, dass man sich Glück erarbeiten muss, doch es stimmt keineswegs, dass Glück den Tabellenplatz definiert.

Der aktuelle dritte Tabellenplatz hat also durchaus seine Berechtigung, wenngleich es ihm noch an Aussagekraft mangelt. Dies könnte sich in den verbleibenden drei Partien bis Weihnachten noch ändern: Bis zur Bescherung gastieren die Espen noch in Basel (Samstag) und empfangen die Young Boys (Dienstag).

Davor ist am Mittwoch jedoch der FC Lugano zu Gast. Die Tessiner liegen nach Verlustpunkten sogar noch vor dem FC St.Gallen, verliessen den Platz am Sonntag erstmals in dieser Saison als Verlierer (0:1 gegen den FC Zürich). Für den nächsten Sieg bedarf es bei den Espen einer Leistungssteigerung – nach zuletzt sechs Punkten für zwei mässige Auftritte dürfte das erarbeitete Glück vorerst aufgebraucht sein.

Die Partie FC St.Gallen – FC Lugano gibt es am Mittwoch, 16.12.2020, ab 20.30 Uhr im Liveticker auf FM1Today.

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