SportFCSG«Dazu ist der VAR nicht da»

«Dazu ist der VAR nicht da»

Spitzguuge
Eine umstrittene VAR-Entscheidung bringt dem FC St.Gallen gegen Lugano die dritte Heimniederlage in dieser Saison (0:1). «Der VAR hätte niemals eingreifen dürfen, Schuld an der Niederlage ist er aber nicht», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.
Publiziert am Mo 25. Jan 2021 12:21 Uhr
© Keystone
- Schiedsrichter San hätte auch nach dem Videostudium beim Entscheid bleiben sollen.

Es war ein Zweikampf, wie er in einem Fussballspiel immer wieder vorkommt: Ein zähes Ringen zwischen FCSG-Mittelfeldmann Tim Staubli (20) und Roman Macek (23) vom FC Lugano, Letzterer fiel und Schiedsrichter Fedayi San entschied auf Abstoss. Soviel zum Fussball, wie wir ihn kennen. Der Schiedsrichter ist auf dem Rasen die höchste Instanz und soll nur dann korrigiert werden, wenn er ein schwerwiegendes Vergehen übersehen hat.

In etwa so steht es im Protokoll des internationalen Gremiums IFAB, das Fussballregeln berät und beschliesst. St.Gallens Kämpferherz Lukas Görtler (26) postete den entsprechenden Auszug gestern Abend auf der Online-Plattform Instagram und erhielt in weit über hundert Kommentaren breite Zustimmung.

In der Tat hätte Video Assistant Referee Alain Bieri in der gestrigen Szene aus der 84. Minute niemals eingreifen dürfen. Ganz einfach darum, weil Schiedsrichter San einen Tatsachenentscheid gefällt hatte und damit sicherlich nicht komplett falsch lag.

Die Schweiz ist nicht Königsklasse

Man wünscht sich von den Unparteiischen in der Schweizer Liga ein ähnliches Vorgehen wie etwa in der Champions League, wo VAR-Entscheidungen nur ganz selten für Kontroversen sorgen. Immer häufiger sieht man in der Königsklasse auch, dass der Schiedsrichter einen Entscheid nach blosser Rücksprache mit dem VAR zurücknimmt, ohne sich die Bilder selbst noch einmal anzuschauen. Weil blindes Vertrauen auf diesem Niveau offensichtlich schneller wächst.

Doch der Fussball in der Schweiz ist mit jenem aus der Königsklasse nicht zu vergleichen. Gut möglich, dass Alain Bieri für sein Einschreiten gestern noch gerügt wird. Und auch San, der bei seinem ursprünglichen Entscheid hätte bleiben müssen, wenn die TV-Bilder diesen nicht komplett umstossen.

Der Schiedsrichter ist niemals schuld

Die Penalty-Szene mag am Ende entscheidend gewesen sein, dass der FC St.Gallen gegen Lugano seine dritte Heimniederlage kassierte (0:1), schliesslich verwertete Mijat Maric souverän und waren die Espen in der Folge – zumal in Unterzahl – zu keiner Reaktion mehr imstande.

Den Unparteiischen die Schuld an der Niederlage zuzuschieben, wäre aber zu einfach. Vielmehr muss sich Trainer Peter Zeidler die Frage stellen, wie seine Mannen trotz 15 Schüssen, 8 Eckbällen und knapp 60 Prozent Ballbesitz offensiv derart ungefährlich waren. Schliesslich war das 0:1 gegen Lugano von den letzten fünf Partien bereits das dritte Spiel ohne eigenen Torerfolg. Als Tabellendritter weist St.Gallen die drittschwächste (!) Offensive der Liga auf – nur Vaduz und Servette treffen noch seltener.

Unter dem Strich ist der Schiedsrichter niemals schuld an einer Niederlage. Vielmehr scheiterten die Espen gestern einmal mehr am eigenen Unvermögen, während der FC Lugano – neu Tabellenzweiter! – mit seinem zerstörerischen Catenaccio-Fussball früher oder später wieder auf dem harten Boden der Tatsachen aufprallen wird.

FCSG kein Opfer der «Fussball-Mafia»

In der Zwischenzeit fühlen sich die Spieler des FC St.Gallen und viele seiner Fans betrogen von VAR Bieri, der vor einem Jahr beim legendären 3:3 gegen YB schon den Penalty wiederholen liess. Unter Görtlers Insta-Post finden sich nicht wenige, die der Meinung sind, die Espen würden von der «Fussball-Mafia SFV», so die von Fans geschaffene Verballhornung des Schweizerischen Fussballverbands, systematisch betrogen.

Dieser Eindruck kann durch die grün-weisse Brille – und einzig dadurch! – entstehen. Einiges näher an der Realität ist jedoch das, was Trainer Peter Zeidler im Tagblatt als fairer Verlierer aufrichtig hoffend sagte: «Vielleicht wird sich der Entscheid des Schiedsrichters im Verlauf der Saison wieder ausgleichen.»

In der Zwischenzeit stehen Hausaufgaben an: Für die Schiedsrichter genauso wie für den FC St.Gallen. Denn unter Fehlern wie dem vom Sonntag leidet das Image der Unparteiischen genauso wie die Espen unter Spielen ohne Torerfolg.

    #VAR#Super League#FC St.Gallen
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