Sponsored ContentWenn Frauen von vorne beginnen müssen

Wenn Frauen von vorne beginnen müssen

Flucht ins Frauenhaus
Erleben Frauen und Kinder häusliche Gewalt, so finden sie seit 40 Jahren Schutz im Frauenhaus St.Gallen. Geschäftsleiterin Silvia Vetsch erzählt von berührenden Momenten und brenzligen Situationen.
Publiziert am Do 12. Nov 2020 12:35 Uhr
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- Frau

Das Frauenhaus St.Gallen feiert sein 40-jähriges Bestehen. Obwohl, von Feiern kann keine Rede sein. Die Vision der Gründerinnen, das Frauenhaus eines Tages überflüssig zu machen, wurde nicht erreicht. Die Anlaufstelle ist so relevant wie eh und je.

Ein Zufluchtsort

«Es gibt bis heute immer wieder Zeiten, in denen wir ganz ausgelastet sind und Frauen sogar an andere Häuser weiterleiten müssen», sagt Geschäftsleiterin Silvia Versch im «Gott und d’Welt»-Podcast. «Es ist nach wie vor enorm wichtig, dass es einen Ort gibt, an dem gewaltbetroffene Frauen und Kinder Schutz suchen können.»

1980 wurde das Frauenhaus St.Gallen gegründet. Die Adresse ist geheim, dennoch gab es einmal einen Mordanschlag. Ein Mann spürte seiner Frau auf, die im Haus Schutz suchte. Anschliessend musste der Standort gewechselt werden.

«Plötzlich stand ein Mann vor der Tür»

Auch Silvia Vetsch, die das Frauenhaus St.Gallen seit fünf Jahren leitet, hat schon brenzlige Situationen erlebt. «Vor rund drei Jahren stand plötzlich ein Mann vor der Tür, dessen Frau und Kinder bei uns untergebracht waren. Weil er sehr gewaltbereit war, löste der Vorfall bei seiner Frau und den Kindern grosse Ängste aus. Die Stadtpolizei griff darauf ein und erklärte sich bereit, uns sechs Wochen lang zu begleiten.» Für solche Unterstützung ist die 59-Jährige bis heute dankbar.

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- Silvia Vetsch

«Frauen werden richtig schön»

Auch sonst erlebe sie viele bewegende Momente. «Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind und mehrere Wochen bei uns Schutz suchen, verändern sich. Das ist sogar optisch sichtbar, sie blühen auf und werden richtig schön.»

Das Frauenhaus wird mittlerweile vom Kanton finanziert, trotzdem ist es auf Spenden angewiesen. «Die Frauen müssen danach oft von vorne beginnen. Ein Start in ein neues Leben kostet viel und deshalb sind Spenden für uns sehr wichtig.»

Gleichstellung ist zentral

Und was wünscht sich Silvia Vetsch für die nächsten 40 Jahre? «Dass häusliche Gewalt bis dann so geächtet wird, dass Frauenhäuser überflüssig werden. Das hat aber viel mit Gleichstellung und Gleichberechtigung zu tun und ich denke, wir haben noch einen langen Weg vor uns.»

Wie der Alltag in einem Frauenhaus aussieht und wie die Frauen auf ein «Leben danach» vorbereitet werden, hörst und in der neuen Folge des «Gott und d’Welt»-Podcasts.

Das Frauenhaus St.Gallen begeht vom Herbst 2020 bis Frühling 2021 sein 40-jähriges Bestehen. Während eines halben Jahres wird die Institution, die sonst im Verborgenen arbeitet, mit verschiedenen Aktivitäten im öffentlichen Raum sichtbar. Dazu gehören eine Plakatausstellung, eine Jubiläumswebsite sowie geplante Standaktionen.

    #Gott und d'Welt#Häusliche Gewalt#Frauen#Frauenhaus#St.Gallen
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