SchweizFür Bierliebhaber ist die Schweiz ein Paradies

Für Bierliebhaber ist die Schweiz ein Paradies

Brauerei-Boom
Kaum ein Land hat so viele Brauereien pro Einwohner wie die Schweiz. Vor allem kleine Brauereien sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen.
Publiziert am Mi 26. Aug 2020 06:17 Uhr
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- bier

Die Schweizer trinken im Schnitt nur 55 Liter Bier pro Jahr, wie Berechnungen des Schweizer Brauerei-Verbandes zeigen. Das ist im Vergleich zu den Tschechen, die mit 138 Liter weltweit am meisten Bier trinken, eigentlich nicht viel. Trotzdem gibt es kaum irgendwo auf der Welt so viele Brauereien wie in der Schweiz.

1179 Brauereien registriert

Wie eine Karte mit Zahlen von Statista zeigt, ist die Schweiz letztes Jahr mit 127 Brauereien pro einer Million Einwohner der absoluter Spitzenreiter in Europa. Der Schweizer Brauerei-Verband macht zwar keine Vergleiche mit anderen Ländern, bestätigt aber, dass Stand jetzt 1179 Brauereien in der Schweiz registriert sind. «Die Schweiz verzeichnet schon seit vielen Jahren einen Brauerei-Boom», sagt der stellvertretende Direktor Christoph Lienert. «Vor allem die Anzahl Klein- und Kleinstbrauereien hat stark zugenommen.»

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- Karte Bier-Brauerein

Grosse Brauereien sind Drahtzieher

Waren im Jahr 2000 noch 77 aktive biersteuerpflichtige Unternehmen in der Schweiz registriert, stiegt ihre Anzahl innert zehn Jahren bis auf 322. Diese Entwicklung explodierte dann 2013 förmlich, heisst es vom Schweizer Bier-Verband. Trotzdem: «Die 57 grössten Brauereien in der Schweiz sind nach wie vor für über 98 Prozent des schweizerischen Bierausstosses verantwortlich», sagt Christoph Lienert. «Jede von ihnen braut über 100‘000 Liter Bier pro Jahr. Sie verfügen über professionelle Strukturen mit ausgebildeten Brauern und Braumeistern. Viele dieser Brauereien brauen seit Generationen und sind in Familienbesitz.»

Bier-Image hat gewechselt

Auch die Trinkgewohnheiten der Bierliebhaber habe sich im Laufe der Zeit verändert. Die Spezialitätenbiere konnten an Beliebtheit gewinnen und erreichten letztes Jahr einen Anteil von über 17 Prozent. «Die Bierkonsumenten verlangten nach einer neuen Geschmacksvielfalt beim Bier, welche von den Schweizer Brauereien aber auch forciert und entsprechend angeboten wurde», sagt Lienert. So habe das Bier auch sein Image gewechselt. «Es war plötzlich nicht mehr nur der einfache Durstlöscher, sondern auch das fruchtige, herbe, aromatische oder komplexe Genuss-Getränk, das zu einem guten Essen passte oder bei vielen anderen Gelegenheiten genossen werden konnte.»

Schritt zum Profi schwierig

Seit 2018 scheint die Anzahl der Brauerei-Neugründungen übrigens etwas abzuflachen, auch wenn deren Anzahl weiterhin steigt. «Will man als Brauerei überleben und die Löhne der Belegschaft bezahlen können, sind effiziente und professionelle Betriebsabläufe und das Brauen von qualitativ hochstehenden Bieren Grundbedingungen», ist sich Lienert sicher. «Der Schritt von einer Hobby-Brauerei zu einer professionellen Brauerei ist jedoch schwierig und mit grossen finanziellen Mitteln verbunden.»

Rosige Bierjahre für die Schweiz

Ob sich die ambitionierten Mikro- und Kleinbrauereien am Markt halten können, wenn der Reiz des Neuen weg und der Sympathiebonus aufgebraucht sind, werde sich zeigen. «Trotzdem sind es rosige Bierjahre für die Schweizer Bevölkerung, die Biervielfalt wächst weiterhin an und so steigert sich auch das Verständnis für Bier als jahrtausendealtes Kulturgut, welches immer wieder von Neuem entdeckt werden kann.»

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