Ostschweiz«Wir können die Schweiz nicht verstehen»

«Wir können die Schweiz nicht verstehen»

Liechtenstein
In Liechtenstein bleiben die Restaurants und Bars noch bis mindestens Ende November geschlossen. Der Liechtensteiner Hotel- und Gastronomieverband steht hinter dem Entscheid der Regierung – und sieht nicht ein, warum die Schweiz andere Wege geht.
Publiziert am Sa 14. Nov 2020 18:02 Uhr
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- Gastro

Die zweite Coronawelle brachte in Liechtenstein einen neuerlichen Gastronomie-Lockdown, der bis mindestens Ende November anhält. Walter Hagen, Präsident des Liechtensteiner Hotel- und Gastronomieverbandes, ist mit vier eigenen Betrieben betroffen. Trotzdem bleibt er positiv: «Wir werden viel besser unterstützt als noch im Frühling. Wir haben neue Hilfen ausgehandelt und die Wirte können anhand der betrieblichen Zahlen ausrechnen, was sie an Unterstützung erhalten. Das gibt uns Planungssicherheit bis im März.»

«Wir sind keine Virologen»

Die Gastronomen in Liechtenstein stünden mehrheitlich hinter dem Regierungsentscheid. «Es ist nun mal so, dass man beim Essen die Maske ausziehen muss und dass der Abstand am Tisch nicht eingehalten werden kann», sagt Hagen. «Es nützt überhaupt nichts, wenn man jetzt gegen die Massnahmen schiesst. Wir sind Gastronomen und keine Virologen.»

Grosser Zusammenhalt

Klar gebe es manchmal auch kritische Stimmen, im Grossen und Ganzen sei die Stimmung in Liechtenstein aber wohlwollend. «Wir merken, dass das Land klein ist und die Kanäle gut funktionieren. Man hilft sich gegenseitig und hält zusammen. Ausserdem spüren wir viel Solidarität aus der Bevölkerung.» Zum Beispiel gibt es eine neue Webseite, die zusammenfasst, welche Restaurants in Liechtenstein neu Takeaway anbieten.

Wenig Massnahmen in der Schweiz

Nicht verstehen kann Walter Hagen, warum in der Schweiz so wenig passiert, beziehungsweise warum hier die Restaurants und Bars unter gewissen Einschränkungen noch offen haben. «Wir können natürlich keine Empfehlung an die Schweiz abgeben. Trotzdem finde ich es komisch, dass überall in Europa harte Massnahmen getroffen werden und in der Schweiz, trotz hoher Zahlen, vergleichsweise wenig passiert.» Dass nun alle Liechtensteiner über die Grenze fahren, um in der Schweiz zu essen, glaubt Walter Hagen nicht. «Wenn, dann nur die unbedachten Leute. Ich denke, der grosse Teil unserer Bevölkerung hält sich an die Massnahmen und geht kein Risiko ein.»

Die Pandemie als Chance

Alles in allem sei es wichtig, in einer solchen Zeit den Optimismus nicht zu verlieren. «Manchmal entstehen aus Krisen auch neue Chancen. Es ist vielleicht eine Zeit, in der man sich kritisch hinterfragen muss und sich auch verändern kann. Die Welt verändert sich nämlich sowieso – auch ohne Pandemie.»

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