OstschweizSt. GallenTankstellen sind für Jugendliche der neue «Place to be»

Tankstellen sind für Jugendliche der neue «Place to be»

Coronakrise
Schönes Wetter, zu viel Zeit und keine offenen Bars und Cafés. Weil Jugendliche nicht mehr wissen wohin, treffen sie sich in der Coronakrise vor Bahnhof- und Tankstellenshops. Ganz zur Sorge der Polizei.
Publiziert am Di 14. Apr 2020 13:32 Uhr
© Nadia Schärli/Luzerner Zeitung
- Jugendliche treffen sich vermehrt vor Tankstellenshops. (Symbolbild)

Den Eistee in der einen, die Chips-Packung in der anderen Hand, lehnt sich ein Jugendlicher lässig an die Wand des Bahnhofshops. Daneben tun es ihm seine sechs Kumpels gleich, alle dicht gedrängt beim Eingang des Ladens. In Zeiten von Social Distancing ein absolutes No-Go. Trotzdem: Die Bahnhof- und Tankstellenshops sowie Takeaways werden in der Coronakrise für die jungen Leute zum «Place tob be».

Grosse Gruppen ohne Abstand

«Die Jugendliche halten sich dort auf, weil alle Restaurants und Bars zu haben», glaubt Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St.Gallen. Immer häufiger musste die Polizei in letzter Zeit Reklamationen wegen Ansammlungen vor solchen Lokalen entgegennehmen. «Es ist schwierig, dass sich die jungen Leute dort an die Regeln halten. Die Gruppierungen werden immer grösser und sie halten den Abstand nicht ein.»

Polizei will nicht direkt Bussen verteilen

Rückt die Polizei aus, passiert laut Hanspeter Krüsi immer dasselbe. «Wir kommen dort an und die Jugendlichen machen sofort die Abstände untereinander grösser. Doch kaum sind wir weg, werden die Regeln nicht mehr eingehalten.» Trotzdem wolle die Polizei lieber mit den Leuten reden, als gleich Bussen zu verteilen.

Auto-Poser sind weiteres Problem

Ein weiteres Phänomen vor den Tankstellen- und Bahnhofshops sind die sogenannten Auto-Poser, wie FM1Today bereits berichtete. Sie treffen sich laut Krüsi mit ihren Autos bei den Shops, um sich zu verpflegen. «Sie stehen dann essend und trinkend um ihre Autos herum und halten auch hier wieder den Abstand nicht ein. Ausserdem sind mit ihnen noch viel mehr Menschen auf den Parkplätzen vor den Shops, was das Problem grösser macht.»

«Müssen alle an einem Strick ziehen»

Die Polizei appelliert nochmals an die jungen Leute, sich weiterhin an die Regeln zu halten. «Wir verstehen, dass man sich bei schönem Wetter draussen treffen will, vielleicht auch, weil die eigenen Eltern zuhause sind. Trotzdem ist die Krise noch nicht vorbei und wir müssen unbedingt weiterhin alle an einem Strick ziehen.»

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