OstschweizSt. GallenFür Billigkäse: Rheintaler Käserei will drei Millionen Liter Milch importieren

Für Billigkäse: Rheintaler Käserei will drei Millionen Liter Milch importieren

Produkt für Discounter
Ostschweizer Milchbauern schäumen vor Wut: Die Imlig Käserei in Oberriet will drei Millionen Liter Milch importieren. Daraus soll Billigkäse für deutsche Discounter entstehen. Der Ruf des Schweizer Käses könnte Schaden nehmen, befürchten Milchbauern.
Publiziert am Do 21. Jan 2021 05:29 Uhr
© Gettyimages
- Käseproduktion

«Käseprodukte aus Schweizer Milch, Kulturen, Lab und Salz»: So preist die Imlig Käserei in Oberriet ihr Sortiment auf ihrer Webseite an. Umso überraschender sind die Pläne des Rheintaler Unternehmens. Die Käserei will drei Millionen Liter Milch aus Deutschland importieren, um damit Halbhartkäse für deutsche Discounter herzustellen. Sie hat hierfür ein Gesuch bei der Eidgenössischen Zollverwaltung gestellt.

«Ein absolutes No-Go»

Die Käserei, die in ihrem Firmenportrait das Rheintal als starke Milchregion bezeichnet, will zu dem Vorhaben keine Stellung nehmen. Den Ostschweizer Milchbauern stossen die Pläne sauer auf. «Es ist ein absolutes No-Go», sagt Markus Berner, Geschäftsführer der Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost. «In der ganzen Schweiz herrscht aktuell kein Milchmangel. Dass die Imlig Käserei Importmilch verkäsen will, kann ich nicht nachvollziehen. Hier können nur wirtschaftliche Gründe im Vordergrund stehen.»

Werbung

© tvo

Ruf und Milchpreis in Gefahr

Käse ist das wichtigste Produkt der Schweizer Milchwirtschaft. Für Markus Berner ist es deshalb absolut inakzeptabel, dass eine Rheintaler Käserei mit günstiger Importmilch die Schweizer Käseexporte direkt konkurrenzieren will. «Kann die Imlig Käserei tatsächlich drei Millionen Liter Milch importieren, wird es viele Nachahmer geben. Das wirkt sich wiederum fatal auf den Schweizer Milchpreis aus – genau davor haben wir Angst.»

Die Benutzung von Importmilch für die Schweizer Käseproduktion könnte laut Markus Berner auch dem Ruf schaden. «Der Schweizer Käse hat sich im Ausland als hochwertiges Produkt etabliert, auch dank Massnahmen, die vom Bund co-finanziert wurden. Mit Billigmilch sinken die Qualität und die Glaubwürdigkeit.»

«Es gab schon ähnliche Gesuche»

Dass jetzt ausgerechnet eine Bundesbehörde dem Import von drei Millionen Liter Milch zustimmen soll, ist für Berner geradezu widersprüchlich. «Wir hoffen natürlich, dass das Gesuch abgelehnt wird. Es hat in der Vergangenheit bereits ein paar ähnliche Anträge gegeben, die nicht durchgekommen sind. Trotzdem können wir keine Vorhersage machen.» Ein wenig hofft Markus Berner wohl auch, dass die Imlig Käserei in Oberriet ihre Idee doch noch als Käse abtut.

    #Käse#Landwirtschaft
© FM1Today