OstschweizHört auf, über Guggenmusik zu motzen!

Hört auf, über Guggenmusik zu motzen!

Kommentar
Die Guggen sind los! An Fasnachtsumzügen und in Beizen tröten die Trompeten und Posaunen. Für alle, die schon beim Lesen den Koller bekommen – sorry, während der Fasnacht ist Guggenmusik Pflicht. Und zwar die volle Dröhnung.
Publiziert am Sa 22. Feb 2020 17:48 Uhr
© Urs Bucher/St.Galler Tagblatt
- guggenfestival gossau

Im FM1-Land sind zurzeit die Guggen unterwegs – und das ist gut so. Ich sage das, obwohl ich selbst nie Teil einer richtigen Guggenmusik war (okay, ich spielte kurz Tschinelle in der Schüler-Gugge, das gehörte im Rheintal aber quasi zum Unterricht). Auch werde ich mich immer fragen, woher die Leidenschaft der Musikanten kommt, ganze Nächte durchzu

trinken

spielen, und ich werde Trompeten und Posaunen konsequent von meiner Spotify-Playlist fernhalten. Trotzdem: Während der Fasnacht ist Guggenmusik Pflicht – und zwar die volle Dröhnung.

Keine Guggen – kein Leben

Wie leise fiele doch das Konfetti, wären an den Umzügen keine Guggenmusiken, sondern nur noch Fasnachtswägen dabei. Die verkleideten Menschen stünden am Strassenrand, bunt geschminkt und verkleidet, darauf wartend, dass endlich eine Pauke ihre Körper zum Vibrieren bringt. Doch es bliebe still. Kein Mitklatschen, kein Mitgrölen und schon gar kein «Mitgumpen». Es wäre (k)ein Paukenschlag, der den Umzügen plötzlich das Leben aussaugte. Oder noch schlimmer: Die Fasnächtler drehten auf ihren Wägen plötzlich die Musik lauter, damit uns eine Mischung aus «Atemlos», «Petra Sturzenegger» und «Cordula Grün» die Ohrhärchen wegbrennt. Dafür gibt es ja schon den Après-Ski.

Wenn die Guggen in die Beizen strömen

Klar stand auch ich schon in einer Bar, als die Tür aufging und sich 30 verkleidete, nach Schweissbier (hihi, neues Wort) riechende Menschen mit riesigen Instrumenten hereinquetschten. Je später die Stunde, desto krasser fehlte ihnen das Taktgefühl – in allen Belangen. Du wirst in eine Ecke gedrängt, dein halbes Gesicht klebt plötzlich an der kalten Scheibe des Lokals und du leerst dir den Drink über deine Hose. Die Musikanten in Kostümen sind nicht nur gross (warum sind die eigentlich immer so hochgewachsen?), sondern auch breit und du kannst weder etwas sehen, noch um Hilfe rufen. Du kannst nur noch hoffen, dass du den Paukenschläger nicht ins Gesicht bekommst und es dir das Trommelfell nicht reisst. Grund genug, sich aufzuregen, oder? Nein! Es gibt schliesslich genug Ausweichmöglichkeiten, in St.Gallen werben sogar Bars damit, dass sie während der Fasnacht keine Guggen reinlassen. Wenn deine Lieblingsbar nicht dazu gehört... come on! Fasnacht ist einmal im Jahr, sei flexibel und such dir für diese Zeit eine andere Bleibe.

Guggenmusik ist ein Gefühl

Quintessenz: Fasnacht ohne Guggenmusik ist wie Weihnachten ohne Guezli, Silvester ohne Tischbombe und Geburtstag ohne Kerzen. Die meisten Menschen, die sich in ein Fasnachtsgetümmel werfen, freuen sich über die manchmal etwas schiefen Klänge. Sie wecken Erinnerungen an die Schulfasnacht, als man seinen Kollegen noch Konfetti den Nacken runterliess oder Spaghettispray in die Haare schmierte. Sie erinnern an das erste Monsterkonzert, wo man sich heimlich mit seinem Schwarm verabredete. Und sie machen tolle Stimmung an einem Ort, wo man mit Freunden tanzt, lacht und singt – und den Alltag einfach mal beiseitelassen kann. Diese Freude sollte man sich gegenseitig gönnen, egal wie einem die Musik gefällt.

Werbung

@ FM1Today/Noémie Bont

    #Guggenmusik#Fasnacht
© FM1Today

Alle Beiträge: