OstschweizGraubündenWegen geistiger Behinderung: Hostel-Wirt cancelt Buchung

Wegen geistiger Behinderung: Hostel-Wirt cancelt Buchung

Laax
In Laax haben Betreiber eines Hostels eine Offerte zurückgezogen, nachdem sie erfuhren, dass die Gäste eine geistige Beeinträchtigung haben. Der Wirt wehrt sich gegen den Vorwurf der Diskriminierung.
Publiziert am Mo 3. Mai 2021 14:29 Uhr
© Laax.ch
- Strandbad Laaxersee

Die Stiftung «Freier leben» aus Bern wollte zwölf jungen lernbehinderten und geistig leicht beeinträchtigen Menschen ein Ferienlager im Bündnerland ermöglichen. Dabei kam es zu einem unschönen Zwischenfall. Eine Herberge in Laax zog ihre Offerte zurück, nachdem sie erfuhr, dass es sich nicht um «normale» Gäste handelt.

«Für die Unterbringung nicht geeignet»

«Sorry – ich habe gerade festgestellt, dass es sich bei den ‹Gästen› um geistig behinderte Menschen handelt. Es tut mir leid, dir sagen zu müssen, dass wir für die Unterbringung nicht geeignet sind», schreiben die Hostel-Verantwortlichen in einem Mail, das «20 Minuten» vorliegt.

«Absage hat uns enttäuscht»

«Die Buchungsabsage der Herberge hat uns enttäuscht und im Gespräch konnte kein Konsens gefunden werden», sagt Stiftungsleiter Mauro Bruni. «Unsere Stiftung organisiert seit Jahren regelmässig Ferienlager und konnte bisher immer gute Lösungen finden. Oft haben wir sehr gute Rückmeldungen erhalten.» Auch spiele man immer mit offenen Karten. «Im Vorfeld kommunizieren wir jeweils klar, dass es sich bei unseren Klienten und Klientinnen um Menschen mit einer Lernbeeinträchtigung handelt, die ein freundliches Auftreten und gute Umgangsformen haben», sagt Bruni.

Keine böse Absicht

Dass sich die Stiftung durch die Absage diskriminiert fühlt, bedauert der Wirt des Hostels in Laax. Für entstandene Missverständnisse wolle er sich entschuldigen, sagt er gegenüber 20 Minuten. «Sollten wir bei unseren Bedenken zur Unterbringung falsche Schlüsse gezogen haben, tut uns dies sehr leid. Es war niemals unsere Absicht, andere zu diskriminieren – dafür stehe ich mit meinem Wort.» Es handle sich um ein internationales Hostel in dem niemand diskriminiert wird, egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder körperliche Konstitution.

«Wollen nur transparent sein»

Grund für die Absage sei, dass man in der Vergangenheit vermehrt auf Kosten sitzen geblieben sei, weil das Hostel nicht behindertengerecht gebaut sei und Organisationen, sobald sie dies feststellen, ihre Buchung wieder stornieren. «Dies können wir uns zu einer Zeit, in der die Gastronomie gebeutelt wird wie kein anderer Unternehmenszweig, schlichtweg nicht mehr leisten», so der Wirt. «Wir wollten einfach nur transparent sein.» Bedingungen müssten im Vorfeld geklärt werden.

Ein Gespräch soll Klarheit bringen

Man hätte es aber begrüsst, wenn die Stiftung dem Hostel einen kurzen Besuch abgestattet und auf die besonderen Bedingungen hingewiesen hätte. «So hätte man die Situation vor Ort klären können», sagt der Wirt. «Wären dann von ihrer Seite keine Einwände zu beanstanden gewesen, wäre ein Aufenthalt natürlich kein Problem gewesen.» Um die Situation restlos zu klären, will Stiftungsleiter Mauro Bruni heute Montag noch einmal einen Versuch starten und das Gespräch mit dem Wirt suchen.

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